Alpirsbacher Marienaltar: Am 2. Juli wird traditionell „Mariae Heimsuchung“ gefeiert

Foto: Kreuzgang im Kloster Alpirsbach ©Rainer Sturm/ pixelio.de.
Foto: Kreuzgang im Kloster Alpirsbach ©Rainer Sturm/ pixelio.de.

Kloster Alpirsbach

Stuttgart, Juni 2018 (lifePR) – Ein alter Festtag stand früher Anfang Juli im kirchlichen Kalender: Am 2. Juli wird „Mariae Heimsuchung“ gefeiert. Der Tag ist der biblischen Erzählung von Maria und Elisabeth gewidmet. Das Motiv war beliebt in der Kunst – und eine besonders kostbare Darstellung hat sich in der Klosterkirche von Alpirsbach erhalten.

Eine Episode aus dem Lukas-Evangelium

Unter „Mariae Heimsuchung“ versteht man das Zusammentreffen von Maria mit ihrer Kusine Elisabeth. Beide sind schwanger, Maria mit dem Jesusknaben, Elisabeth mit Johannes, der als Wegbereiter Christi später den Beinamen „der Täufer“ bekommt. Das Motiv gibt oft zu sehr anrührenden Darstellungen den Anlass: Die beiden Frauen begegnen sich und umarmen sich – ein Motiv, das den Künstlern viele Möglichkeiten bot, Bewegung und Emotion zu zeigen. Die Geschichte, die der Tradition zugrunde liegt, steht im Lukas-Evangelium (1, 39).

Herausragender Altar aus der Weckmann-Werkstatt

Im Schwarzwaldkloster Alpirsbach hat sich eine besonders schöne Darstellung der „Heimsuchung“ erhalten. Sie ist auf dem Marienaltar in der mächtigen Klosterkirche zur finden. Geschaffen wurde der Altar von dem Ulmer Bildschnitzer Nikolaus Weckmann. Er führte um 1500 eine große Werkstatt; seine Altarschreine, Figuren und Reliefs waren begehrt. Es ist ein Wunder, dass dieses Kunstwerk in Alpirsbach erhalten ist. Der Altar, entstanden am Beginn des 16. Jahrhundert, kam erst kurz vor dem Ende der Klosterzeit in die Kirche: Denn damals führte der württembergische Herzog die Reformation in seinem Land ein und löste im Jahr 1535 alle Klöster auf. Die katholische Klosterkirche besaß allein acht große Altäre – das meiste davon verschwand in den nächsten Jahren. Dass der Altarschrein aus der Weckmann-Werkstatt in Alpirsbach bis heute erhalten blieb, hat vielleicht damit zu tun, dass Maria als Mutter Jesu auch den evangelischen Gläubigen nahestand.

Gemälde im sanften Holzton

Was sieht man auf dem Altar in der Alpirsbacher Klosterkirche? Auf einem der Flügel des Altarschreins ist die Begegnung der zwei Frauen in einer Landschaft zu sehen. Die beide Frauen halten sich umarmt; sie tragen die Tracht bürgerlicher Frauen vom Beginn des 16. Jahrhunderts. Auf dem gegenüberliegenden Altarflügel sieht man die Verkündigung an Maria: Ihr erscheint der Engel, der ihr die Schwangerschaft ankündigt. Wer diese Malereien für den Altar aus der Weckmann-Werkstatt gemalt hat, weiß man nicht – die hohe Qualität spricht für einen versierten Künstler. Und, eine Besonderheit: Die Gemälde sind nicht bunt, sondern in Brauntönen mit weißen Akzenten gehalten: Sie fügen sich ins feine Gesamtbild des hochkarätigen Altarschreins.

Alte Tradition des Festtages

Und das Datum? Am 31. Mai ist der Tag, an dem in der katholischen Kirche „Mariäe Heimsuchung gefeiert wird. Der Grund: Der Geburtstag des Täufers wird traditionell am 24. Juni gefeiert – und liegt damit knapp vor dem Fest, an dem seine Mutter Elisabeth mit ihm schwanger gezeigt wird. An vielen Orten hat man aber diese allzu logische Vorverlegung des ehrwürdigen Marienfestes nicht mitgemacht und feiert immer noch am 2. Juli die Heimsuchung Mariens. Zu sehen ist der Marienaltar in Alpirsbach nicht nur am Festtag von der Heimsuchung. Das Schwarzwaldkloster mit seiner eindrucksvollen romanischen Klosterkirche ist täglich geöffnet.

Staatsanzeiger für Baden-Württemberg GmbH

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