Weihnachten europaweit wie der Frühling

Menschen sitzen am 25.12.2015 in München (Bayern) an der Glyptothek am Königsplatz in der Sonne. In weiten Teilen Bayerns ist das Wetter über die Weihnachtsfeiertag sonnig und mild. Foto: Tobias Hase/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Frühling im Winter. Wer in diesen Tagen an die frische Luft geht, kommt leicht ins Schwitzen. Der Mantel kann in vielen Regionen auch noch nach Weihnachten im Schrank bleiben.

Menschen sitzen am 25.12.2015 in München (Bayern) an der Glyptothek am Königsplatz in der Sonne. In weiten Teilen Bayerns ist das Wetter über die Weihnachtsfeiertag sonnig und mild. Foto: Tobias Hase/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Menschen sitzen am 25.12.2015 in München (Bayern) an der Glyptothek am Königsplatz in der Sonne. In weiten Teilen Bayerns ist das Wetter über die Weihnachtsfeiertag sonnig und mild. Foto: Tobias Hase/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++

Ein Spaziergang durch den Schnee, lachende Kinder auf Schlittschuhen oder eine rasante Schlittenfahrt – vielerorts war so etwas in den Weihnachtstagen 2015 völlig unmöglich. Das Wetter schien verrückt zu spielen, nicht nur hierzulande.

DEUTSCHLAND: Fast 17 Grad war es über Weihnachten in einigen Orten in Deutschland warm. An der Spitze lag an Heiligabend Freiburg mit 16,8 Grad. Der Rekordwert von 2012 (18,9 Grad) wurde aber klar verfehlt. In der Münchner Innenstadt waren an Heiligabend 2012 sogar 20,7 Grad gemessen worden, allerdings nicht an einer Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Am ersten Weihnachtsfeiertag am Freitag wurde der Höchstwert im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim (16,5 Grad) registriert. Sonnenbad auf der Parkbank, Herumtollen im T-Shirt – auch zum Jahresausklang soll sich das Wetter in Deutschland weiter von seiner milden Seite zeigen. Die Meteorologen rechnen zumindest für den Montag mit Temperaturen von bis zu 16 Grad am Oberrhein.

#WARMNACHTEN: Im Kurznachrichtendienst Twitter wurde zum Weihnachtsfest kräftig über #warmnachten gewitzelt. So schrieb ein Nutzer: «Von drauß vom Freibad komm ich her, ich muss euch sagen: es warmnachtet sehr! #warmnachten» (Twitternutzer @stedti). Ein anderer twitterte: «Ich mache mir Sorgen um die Deutsche Bahn. Nicht wegen Schnee oder Oberleitungsschäden. Aber ob die Klimaanlagen das überstehn? #Warmnachten» (@timmdoppel_m)

RUSSLAND: Die an Kälte gewöhnten Moskauer erleben zurzeit eine «Dezember-Hitze». Am Freitag maßen die Meteorologen in der russischen Hauptstadt 4,1 Grad Celsius. Noch nie zuvor war es an einem 25. Dezember seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 135 Jahren so warm, wie die Agentur Tass am Samstag meldete. Der bisherige Rekord lag bei 4 Grad. Seit dem 20. Dezember registrierten die Meteorologen in Europas größter Stadt jeden Tag historische Höchstwerte.

Wegen der für Moskau frühlingshaften Temperaturen wurden zahlreiche künstliche Eisflächen zum Schlittschuhlaufen sowie andere beliebte Winterattraktionen vorübergehend geschlossen. Für diese Jahreszeit übliche Schneemassen sind bislang ausgeblieben. Anbieter von Wintersportaktivitäten wie Eislaufen und Langlaufski im Moskauer Umland hoffen dringend auf den nächsten Frost, um das Geschäft in den Winterferien rund um die Feiertage zum Jahreswechsel anzukurbeln. Der milde Winter bringt auch die Natur aus dem Konzept: Schneeglöckchen zeigen erste Knospen, Bienen verlassen mancherorts ihre Stöcke.

USA: Tornados und Überschwemmungen machten vielen US-Amerikanern schwer zu schaffen. In den Südstaaten Mississippi, Tennessee und Arkansas starben seit Mittwoch (Ortszeit) infolge der Wirbelstürme mindestens 15 Menschen. Der US-Wetterdienst NWS rechnet mit weiteren Unwettern auch an diesem Sonntag. Bei ungewöhnlichem Weihnachtswetter mit frühlingshaften Temperaturen von mehr als 20 Grad in Teilen des Landes und Winterstürmen waren zahlreiche Straßen überflutet sowie Häuser und Autos beschädigt worden. Mindestens 40 Menschen wurden verletzt. Unter anderem im Bundesstaat Georgia im Südosten, wo es Überflutungen durch Regen gab, riefen die Behörden den Notstand aus.

ITALIEN: Das sonnig-trockene und windarme Weihnachtswetter in Italien hat seine Kehrseite, nämlich Smog. Mit Fahrverboten wollen die großen Städte die hohe Luftbelastung senken. So gilt in Mailand von diesem Montag bis Mittwoch in der Zeit von 10.00 bis 16.00 Uhr ein weitgehendes Fahrverbot für Privatwagen. In Rom sollen an Montag und Dienstag jeweils die Autos mit einer geraden oder ungeraden Endziffer auf dem Nummernschild zu den Hauptverkehrszeiten stillstehen. Wie die Zeitung «La Repubblica» berichtete, verbot der Bürgermeister von San Vitaliano nahe Neapel bis Winterende das Pizzabacken im Holzofen.

CHINA: Starker Smog schnürte den Menschen in Peking und in vielen anderen Städten Nordchinas erneut die Luft ab. In der Hauptstadt lag der Schadstoffindex am Freitag bei «gefährlichen» Werten von über 500. Das ist mehr als das Zwanzigfache des Grenzwertes der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In den Wintermonaten, wenn sehr häufig mit dreckiger Kohle geheizt wird, ist extrem schlechte Luft im Norden des Landes nicht ungewöhnlich.

AUSTRALIEN: Ungewöhnlich heiß war es in einigen Regionen Australiens. Auf der Südhalbkugel ist derzeit ohnehin Sommer. Surfer genossen das Weihnachtswetter. Buschbrände zerstörten jedoch im Süden zu Weihnachten weit über 100 Häuser. Große Landstriche verkohlten, wie Medien unter Berufung auf die Behörden berichteten.