Bis zuletzt kämpfte er gegen Satan: Exorzist Amorth gestorben

priesterPater Amorth sah den Teufel vielerorts im Spiel. Als oberster Exorzist wetterte er gegen den IS, Harry Potter und Homosexuelle. Seinen teils umstrittenen Überzeugungen blieb er bis zum Tod treu.

Der berühmteste Teufelsaustreiber der katholischen Kirche ist tot. Pater Gabriele Amorth starb im Alter von 91 Jahren in Rom, wie Radio Vatikan am Wochenende meldete. Er sei am Freitag in einer Klinik einem Lungenleiden erlegen, teilte sein Verlag mit. Sein Leichnam wurde in der Kirche Maria Regina degli Apostoli aufbewahrt, wo am Montag eine Trauerfeier stattfinden sollte, berichtete «Avvenire», die Zeitung der italienischen Bischofskonferenz, am Sonntag.

Der aus dem norditalienischen Modena stammende Amorth war als langjähriger Chef-Exorzist der Diözese Rom international bekannt geworden. Zuletzt hatte er erklärt, die Terroristen des Islamischen Staates (IS) seien vom Teufel besessen. «Der IS ist Satan», schrieb er 2015 auf seiner Facebook-Seite «L’ultimo esorcista» (Der letzte Exorzist). Dies gelte auch für Hitler und Stalin, hatte er 2006 in einem Interview mit Radio Vatikan gesagt.

Amorth, der im Zweiten Weltkrieg im Widerstand gegen die Faschisten kämpfte und 1951 Priester wurde, machte wiederholt Schlagzeilen mit kontroversen Äußerungen. So verurteilte er auch Yoga, das Fernsehen und die Harry-Potter-Saga als Teufelszeug.

«Die Menschen glauben, es ist nur ein Kinderbuch, aber es führt zur Zauberei und damit zum Bösen», kritisierte er die Romanserie von J. K. Rowling. Über Homosexuelle sagte er: «Wer Dinge tut, die den Gesetzen Gottes widersprechen, ist nicht unbedingt besessen, wird aber vom Teufel geleitet.»

In seiner Laufbahn nahm der studierte Jurist seit Mitte der 1980er Jahre nach eigenen Angaben rund 70 000 Exorzismen vor und veröffentlichte mehrere Bücher. Im strikten Sinn vom Teufel besessen seien nur rund 100 Menschen gewesen, räumte er ein. Zur Teufelsaustreibung gehören das Besprengen mit Weihwasser, die Anrufung Gottes und das Handauflegen.

Auch mit 90 Jahren war Amorth noch aktiv. 1990 hatte er die Internationale Vereinigung der Exorzisten gegründet, der er bis zum Jahr 2000 auch vorstand. Sie wurde 2014 vom Vatikan offiziell anerkannt. Amorth beklagte, selbst viele katholische Priester glaubten heutzutage nicht mehr an den Teufel.

Dabei seien Teufelsaustreibungen heute weiter nötig, meinte er im Juni bei einem seiner letzten Interviews: In der Welt gebe es eine riesige Zahl von Dämonen. «Sie hassen Gott und das Gute und wollen den Menschen zur Sünde verführen und in die Hölle zerren.»