Bizzarer Auftritt des AfD-Politikers Höcke bei Jauch

Zur Frage, ob Hass gesellschaftsfähig wird, hatte Günther Jauch auch AfD-Politiker Björn Höcke ins ARD-Studio geladen. Rechtspopulistische Sprüche und eine Deutschlandflagge lösten Irritationen aus.

Von Rebecca Krizak, dpa

Mit leicht verklärtem Blick greift Björn Höcke in die Innentasche seines Jacketts. Aus «tiefer Liebe zu seinem Land» sei er in die Politik gegangen, erzählt der rechte Politiker am Sonntagabend vor fünf Millionen ARD-Zuschauern. Der Mann im blauen Anzug beklagt eine «verrücktgewordene Allparteienpolitik». Und zieht dabei mit feierlicher Geste eine kleine Deutschlandflagge aus dem Jackett. Die legt er penibel wie ein Zierkissen auf seine Stuhllehne.

Pathetisch, peinlich, populistisch – zu diesem Auftritt fallen einem spontan eine ganze Menge Begriffe ein. Doch im ARD-Studio der Sendung «Günther Jauch» ist es gespenstisch still. «Das spricht für sich», murmelt Justizminister Heiko Maas (SPD) mehr zu sich selbst. Moderator Jauch macht weiter, beginnt mit einem Einspieler über Höcke, den thüringischen AfD-Fraktionsvorsitzenden.

Die Reaktion Jauchs, sein Moderationsstil und die große Bühne für Höcke haben der Sendung seit der Ausstrahlung am Sonntagabend heftige Kritik eingebracht. «Hilfe, ist das eine schlechte Moderation! Höcke sagt, die Syrer haben Syrien. Sollen die sich da abschlachten lassen???», schrieb Grünen-Politikerin Renate Künast noch während der Sendung auf Twitter. Und sie war nicht allein. «Jauch» entwickelte sich am Abend zum meistdiskutierten Stichwort auf dem Kurznachrichtendienst.

«Pöbeln, hetzen, drohen – wird der Hass gesellschaftsfähig?» zu diesem Thema hatte die ARD zur Diskussion eingeladen. Bundesjustizminister Maas, Journalistin Anja Reschke, der saarländische Innenminister Klaus Bouillon (CDU) und AfD-Politiker Höcke waren die Gäste. Menschen mit unterschiedlichen Standpunkten einzuladen, sei grundsätzlich keine schlechte Idee, sagt am Montag Sozialpsychologe Andreas Zick von der Universität Bielefeld zu dem Auftritt. Doch die Sendung sei «in die Vorurteilsfalle getappt».

Viel zu lange hätte die Gäste über die Thesen Höckes diskutiert, moniert der Forscher. «Da standen menschenfeindliche Vorurteile im Raum und dann wurde über Asylkontrolle geredet, als wenn es einen Zusammenhang gäbe zwischen Kontrolle von Migration und Populismus», erklärt Zick. «Jauch hätte zurückspielen müssen: “Was wollen Sie eigentlich sagen?”» Jauch sei nicht richtig vorbereitet gewesen.

Stimmt nicht, sagt die ARD. «Herr Höcke wurde vom Moderator und auch den anderen Gästen kritisch zu seinen Äußerungen befragt», betont ein Sprecher am Montag in München. Die Entscheidung, den AfD-Politiker einzuladen, sei bewusst getroffen worden, um sich kritisch mit seinen umstrittenen Thesen auseinanderzusetzen. Auch die Produktionsfirma von Jauch verteidigt die Einladung: «Für den demokratischen Prozess ist es wünschenswert und notwendig, dass in einer aktuellen Diskussion alle Seiten zu Wort kommen.»

Doch wie viel Platz müssen Populisten – die ja gerne jede öffentliche Redemöglichkeit darauf verwenden, zu erklären, sie würden nie angehört – tatsächlich bekommen? Solange keine Gewalt gepredigt und keine Menschen als ungleichwertig betrachtet würden, schreibe es die demokratische Norm vor, sich die Thesen zumindest anzuhören, sagt Sozialpsychologe Zick. «Aber am Ende darf man nicht sagen: “Schön, dass wir alles so ehrlich besprochen haben.” Denn: Populisten sind nicht ehrlich, die täuschen uns.»