Bundespresseball am historischen Ort – Bewährungsprobe für das Adlon

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Von Andreas Rabenstein, dpa

Das beleuchtete Brandenburger Tor dürfte die perfekte nächtliche Kulisse für einen Ball sein. Ob drinnen alles genauso passt, muss das Berliner Hotel Adlon beim Bundespresseball beweisen.

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Es ist eine Rückkehr an einen historischen Ort. Wenn der Bundespresseball am Freitagabend im Hotel Adlon am Brandenburger Tor gefeiert wird, wird auch ein Stück Berliner Geschichte wieder wach. Das Adlon ist weder das teuerste noch das luxuriöseste Hotel – aber es ist das bekannteste, weil es am wichtigsten Platz der Hauptstadt liegt. Das galt vor dem Krieg, während der Teilung und nun auch im vereinigten Deutschland.

Wenn die Gäste des Presseballs an die Fenster treten, blicken sie direkt auf das Brandenburger Tor und die benachbarten Botschaften der USA und Frankreichs. Zentraler und internationaler geht es nicht. Mit dem Ball werde eine alte Tradition wiederbelebt, verkündeten die Veranstalter. Schon während der Weimarer Republik habe im alten Hotel Adlon der Verein der Auslandspresse seinen Ball gefeiert.

Wichtig dabei ist der Begriff «altes Hotel Adlon». Den Gästen muss bewusst sein: Sie feiern in einem kompletten Neubau von 1997, dessen Fassade und holzgetäfelten Innenräume auf alt getrimmt sind. Das Hotel, in dem einst Charlie Chaplin, Thomas Mann, Greta Garbo und Marlene Dietrich wohnten, brannte Anfang Mai 1945 aus.

Viele aktuelle Schauspielgrößen aus Hollywood steigen derzeit lieber in Designhotels wie dem Hotel de Rome ab, so dass dem Adlon etwas Rummel und Reklame durch den Bundespresseball genau recht kommt und den Organisatoren wohl entgegenkam – möglicherweise auch finanziell. Auch die Veranstalter suchten nach der ungemütlichen Tempelhofer Flughafenhalle vom vergangenen Jahr nach einem neuen Partyort und standen gleichzeitig erneut unter Spardruck.

In der Wirtschaft spricht man in solchen Fällen von einer «Win-Win-Situation». Ob die 2300 Gäste – Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Politiker und Lobbyisten – das ebenso sehen, wird sich bis zum frühen Samstagmorgen klären.

Trotz der schwarz-roten Koalition im Bund präsentiert sich die Führungsriege der politischen Ballgäste erstaunlich rot-grün. Die drei SPD-Minister Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Manuela Schwesig werden ergänzt durch drei grüne Spitzenfrauen und einen männlichen Regierungschef: Simone Peter (Parteivorsitz), Katrin Göring-Eckart (Fraktionsvorsitz), Claudia Roth (Bundestagsvizepräsidentin) und Winfried Kretschmann (Ministerpräsident).

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte wie üblich ab. Verlass ist auf Bundespräsident Joachim Gauck, der den Ball traditionell mit einem Walzer eröffnet.

Die kulinarische und musikalische Bewährungsprobe wird das Adlon wohl bestehen. 30 Essensstände sind über das Erdgeschoss und den 1. Stock verteilt. Die Restaurants des Hotels werden einbezogen, darunter das von Berlins bekanntestem Koch Tim Raue betriebene «Sra Bua». Es gibt Rind, Wildschwein, Fische und Sushi.