Coca-Cola will gesünder werden

Coca-Coca bekennt sich erstmals öffentlich dazu, den Zuckeranteil seiner Produktpalette auf dem deutschen Markt deutlich zu verringern: Man wolle in Deutschland „den Zuckeranteil unseres Sortiments bis zum Jahr 2020 um insgesamt zehn Prozent reduzieren“, sagte James Quincey, der Weltchef der Coca-Cola Company, der WELT AM SONNTAG. Damit stelle man sich hinter die freiwillige Selbstverpflichtung des europäischen Branchenverbands Unesda.

Quincey betonte, dass das Ziel ehrgeizig sei: „Das verlangt große Anstrengungen. Wir verändern Rezepte, setzen vermehrt auf kleinere Packungen und nicht zuletzt auf klare Produktinformationen für die Verbraucher.“

Der Konzern aus dem amerikanischen Atlanta mache bereits „große Fortschritte dabei, unser Angebot zu verbreitern“. Aktuell verkauft der Getränkehersteller mehr als 80 Marken in Deutschland, weltweit hat er gut 500 Marken im Portfolio. Es sei „absolut möglich“, dass „die Zusammensetzung unseres Sortiments in Zukunft radikal anders“ aussehen werde, ergänzte Quincey.
Streit über Zuckersteuern

Für Politik und Industrie gehe es „insgesamt darum, die Menschen beim maßvollen und ausgewogenen Konsum zu unterstützen“. Von Dirigismus hält Quincey dagegen nichts: „Ich glaube nicht, dass es funktionieren kann, die Bevölkerung dabei mit staatlichen Eingriffen – etwa über neue Steuern für bestimmte Produkte – in ihrer Wahlfreiheit beim Essen und Trinken einzuschränken. Die Menschen holen sich dann an anderer Stelle, was sie haben möchten. Regierungen, Unternehmen und die Gesellschaften müssen hier gemeinsam intelligentere Lösungen erarbeiten.“

Coca-Cola und andere Getränkehersteller stehen unter erheblichem politischem Druck, weil weltweit die Zahl der Übergewichtigen zunimmt. Gezuckerte Getränke wie Softdrinks oder gesüßte Fruchtsäfte gelten als eine der Hauptursachen für diese Entwicklung. Die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die EU empfehlen Steuern auf zuckerhaltige Lebensmittel. Die WHO fordert gar eine 20-prozentige Steuer. Viele Politiker sind in den vergangenen Jahren diesen Empfehlungen gefolgt: In Mexiko, Frankreich, Ungarn und in Katalonien gibt es Zuckersteuern, genauso wie in den US-Städten Philadelphia, San Francisco und Chicago.

Experten streiten darüber, ob die Steuern funktionieren. Zwar haben gleich zwei Untersuchungen zur Situation in Mexiko nachgewiesen, dass die Steuern den Absatz süßer Brausen senken. So ist der Verkauf von gezuckerten Getränken in einer Reihe mexikanischer Städte nach der Einführung der Steuer stark zurückgegangen: Im ersten Jahr um 5,5 Prozent und im Jahr drauf noch einmal um fast zehn Prozent. Allerdings ist nicht klar, ob diese Rückgang tatsächlich auch bedeutet, dass Verbraucher weniger Zucker konsumieren.