Das ganze Jahr für den Notfall bereit

+++(c) dpa - Nachrichten für Kinder+++

Von Anja Garms, dpa

Unter dem Weihnachtsbaum Geschenke auspacken? Das machen Forscher natürlich auch. Trotzdem geht die Arbeit in vielen Instituten weiter, zum Beispiel auf der Insel Riems. Dort werden ansteckende Krankheiten von Tieren erforscht – im Notfall auch Weihnachten.

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Möwen kreischen. Schilf wiegt sich im Wind. Sattes Grün bedeckt das Land. Hübsch ist es hier auf der kleinen Insel Riems in der Ostsee. Doch nach Riems verirren sich nur selten Urlauber. Trotz der tollen Umgebung wohnen auch nur wenige Menschen hier. Riems ist der Wissenschaft gewidmet. Hier befindet sich eine Forschungsanstalt.

Das Institut ist gut gesichert: Die Gebäude sind von einem hohen Zaun umgeben. Kameras überwachen das Gelände. Warum? Weil Wissenschaftler hier gefährliche Tierseuchen erforschen. Die Vogelgrippe zum Beispiel oder die Rinderkrankheit BSE.

Diese und andere Tierkrankheiten werden oft von Viren oder Bakterien hervorgerufen. Sie sind ansteckend. Sie können also von einem Tier auf ein anderes übertragen werden. Einige von ihnen können auch für den Menschen gefährlich werden.

Zu den wichtigsten Aufgaben der Wissenschaftler gehört es, solche Tierkrankheiten schnell zu erkennen. Und dann bei der Bekämpfung zu helfen. Ein Beispiel: Irgendwo in Deutschland erkranken auf einmal viele Kühe. Vermutlich ist es eine Tierseuche. Aber die Tierärzte finden nicht heraus, wodurch die Krankheit ausgelöst wird.

Dann bekommen die Forscher auf Riems jede Menge Arbeit. Sie erhalten Proben der Tiere und suchen im Eiltempo nach der Ursache der Seuche. Vor einigen Jahren haben sie auf diese Weise ein Virus entdeckt, das bis dahin noch völlig unbekannt war.

Natürlich kann so ein Fall auch Weihnachten eintreten. Deswegen gibt es am Institut eine Wache. Sie ist das ganze Jahr besetzt. Werden die Riemser Forscher gebraucht, schaut der Mitarbeiter in einer Liste nach: Welcher Wissenschaftler hat gerade Notdienst? Diesen ruft er dann an. Der Forscher muss dann schnell ins Labor kommen und mit der Arbeit loslegen.

«Ich erinnere mich an eine Weihnachtsfeier, auf der plötzlich so ein Anruf kam. Ein Kollege musste dann los und eine verdächtige Geflügel-Probe untersuchen», erzählt Elke Reinking. Sie arbeitet an dem Institut.

Auch ohne solche Notfälle gibt es auf der Forschungsstation jeden Tag viel zu tun, auch an Feiertagen wie Weihnachten. So müssen die Tiere versorgt werden, an denen die Wissenschaftler die Seuchen erforschen. Zu dem Institut gehören einige Ställe und Gehege. Dort leben zum Beispiel Mäuse, Kaninchen, verschiedene Arten von Geflügel, Ziegen, Alpakas und Flughunde.

Trotz der vielen Arbeit geht es Weihnachten auf der Insel Riems etwas ruhiger zu als sonst. «Die Wissenschaftler versuchen natürlich auch hier, ihre Versuche vor den Feiertagen zu beenden», erklärt Elke Reinking. «Aber immer klappt das nicht.»