Dicker Nebel und strahlender Sonnenschein – herbstliche Wetterextreme

Inversionswetterlage am Bodensee Dichter Nebel liegt am 03.11.2015 über dem Bodensee (Baden-Württemberg), während im Hintergrund die Alpen und im Vordergrund der Aussichtsturm auf dem Gehrenberg bei Markdorf (Baden-Württemberg) über der Nebeldecke heraus schauen. Foto: Felix Kästle/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Von Sabine Ränsch, dpa

Der Herbst kann golden sein wie vielerorts in diesen Tagen. Aber auch neblig. Die graue Seite ist nicht nur ungemütlich, sondern auch gefährlich.

 Inversionswetterlage am Bodensee Dichter Nebel liegt am 03.11.2015 über dem Bodensee (Baden-Württemberg), während im Hintergrund die Alpen und im Vordergrund der Aussichtsturm auf dem Gehrenberg bei Markdorf (Baden-Württemberg) über der Nebeldecke heraus schauen. Foto: Felix Kästle/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Inversionswetterlage am Bodensee
Dichter Nebel liegt am 03.11.2015 über dem Bodensee (Baden-Württemberg), während im Hintergrund die Alpen und im Vordergrund der Aussichtsturm auf dem Gehrenberg bei Markdorf (Baden-Württemberg) über der Nebeldecke heraus schauen. Foto: Felix Kästle/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++

Dicke Suppe, kaum Sicht und ungemütliche 3,9 Grad, zur selben Zeit strahlender Sonnenschein und fast 20 Grad in 1000 Metern Höhe – im Herbst keine Seltenheit, und am Dienstagmittag am Rhein und in der Rhön gemessen. Während nach den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) Mannheim im dichten Nebel lag und Wintermantel mit Handschuhen und Mütze angesagt waren, herrschte auf der knapp 1000 Meter hohen Wasserkuppe in der Rhön T-Shirt-Wetter. Schuld war eine sogenannte Inversionswetterlage – das bedeutet am Boden ist es kälter als in der Höhe, und weil kein Wind weht, wird die Luft nicht durchmischt. Der Herbst ist Hauptsaison für Nebel. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger, die Luft kühlt stark aus.

Kalte Luft kann nach Angaben der Meteorologen weniger Wasser aufnehmen als warme, und so kondensiert die Feuchtigkeit bei sinkenden Temperaturen zu winzigen Tröpfchen. Das passiert vor allem bei schwachem Wind und einem meist nur locker bewölkten oder klarem Nachthimmel. Dann legt sich frühmorgens ein dichter Schleier über Wald und Wiesen, der sich nur schwer auflöst und nicht nur die Sicht versperrt, sondern auch Geräusche schluckt.

Wo genau sich Nebel bildet und wie lange er sich tagsüber hält, sei schwer vorherzusagen, sagt DWD-Meteorologe Simon Trippler. Entscheidend sei, ob die Sonne durchkommt und die Luft erwärmen kann.

Als Nebeltag bezeichnen Klimatologen einen Tag, an dem die Sichtweite weniger als einen Kilometer beträgt – oft ist die graue Suppe aber so dicht, dass man nur ein paar Meter weit sehen kann. Einer der nebelreichsten Orte in Deutschland ist nach Angaben des DWD der rund 1140 Meter hohe Gipfel des Brockens im Harz. Dort wurde 1958 der deutsche Nebel-Rekord aufgestellt: An 330 Tagen herrschte in jenem Jahr Nebel auf dem höchsten Berg Norddeutschlands.

Für Autofahrer ist Nebel eine der größten Gefahren. Jedes Jahr gebe es in Deutschland Hunderte Unfälle mit Toten und Verletzten, weil bei schlechter Sicht zu schnell und mit zu geringem Abstand gefahren werde, sagt ADAC-Sprecher Jochen Oesterle. «Nebel ist tückisch.» Oft komme er scheinbar aus dem Nichts, wenn plötzlich Nebelbänke auftauchen. Manchmal sei die Sicht so schlecht, dass Autofahrer in Kurven geradeaus fahren, weil sie nicht sehen, wo die Straße verläuft. Oder Abbiegungen werden verpasst.

Generell müsse das Tempo an die Sichtweite angepasst werden, sagt Oesterle. Faustregel: Sichtweite in Metern gleich maximales Tempo, also 50 Kilometer pro Stunde bei 50 Metern Sicht. Und öfter Pausen einlegen, denn «Nebelfahrten sind anstrengend.» Auch tagsüber sollte das Abblendlicht eingeschaltet werden, bei weniger als 50 Meter Sicht auch die Nebelscheinwerfer.