Die neuen Radikalen der Modewelt

Will sich die Mode weiterentwickeln, braucht sie Designer, die bereit sind, Regeln zu brechen. Und gerade das passiert im Moment in einem Maße, wie lange nicht. Es werden Schönheitsnormen hinterfragt, Geschlechtergrenzen aufgelöst, Banalitäten zum Luxus umkodiert.

Letzteres ist die Paradedisziplin von DEMNA GVASALIA und seinem Label Vetements. Er macht die uncoolsten Kleidungsstücke begehrenswert und spielt mit Stereotypen – ein Grenzgang zwischen Avantgarde und Parodie.

Ihm nicht unähnlich ist GOSHA RUBCHINSKIY. Beide kombinieren eine bestehende Logo-Ästhetik mit ihrer eigenen und überzeichnen so den Marken-Kult. Der prollig anmutende Stil des Russen Rubchinskiy wird im Westen mit «post-sowjetisch» etikettiert.

Wie er treibt auch VIRGIL ABLOH mit seinem Label Off-White die Streetwear immer tiefer in den Luxussektor hinein.

Dort ist Gucci ohnehin beheimatet. Und mit ALESSANDRO MICHELE kam die kreative Anarchie ins Haus. In seinen phantasievollen Kollektionen reißt er alle Grenzen nieder, zwischen Hoch- und Subkultur, zwischen Mann und Frau.

Vieles von dem, was diese Designer entwerfen, kann irritieren und verstören. So war es am Anfang aller modischen Umwälzungen, von Chanel bis Comme des Garçons. Ob es einer der neuen Radikalen in die Riege der großen Moderevolutionäre schafft, wird jedoch erst die Zukunft zeigen.