Drei Kinder sind genug – Das Ende der Großfamilie auf den Philippinen

Die katholische Kirche scheint auf verlorenem Posten zu kämpfen: Trotz Verboten verhüten immer mehr Philippiner. Sie wollen weniger Kinder – diesen dafür aber ein besseres Leben bieten.

Princess Maco unterhält sich am 04.07.2016 in Tondo (Philippinen) mit einem Journalisten. Daneben sitzt ihr Sohn Prince Smart. Die Menschen auf den Philippinen wollen weniger kinder bekommen, diesen dafür aber ein besseres Leben bieten. Nach der Geburt ihres heute zweijährigen Sohnes hat Maco sich ein Verhütungsstäbchen implantieren lassen. Diese hormonelle Verhütungsmethode funktioniert ähnlich wie die Pille. Foto: Girlie Linao/dpa (zu dpa «Drei Kinder sind genug - Das Ende der Großfamilie auf den Philippinen» vom 08.07.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Princess Maco und ihre elf Geschwister mussten sich jeden Tag in einer Reihe aufstellen. Dann fütterte ihre Mutter jedem Kind seinen Teil des kargen Abendessens. «Es gab immer Wirbel, denn wir hatten immer Hunger», erinnert sich die 21-Jährige aus Manila auf den Philippinen. «Wir hatten nie neue Schuluniformen, unsere Klassenkameraden haben meine Schwestern und mich ausgelacht.» Ihre Eltern waren arm, taten aber alles, um für ihre zwölf Kinder zu sorgen. «Das Leben war hart», sagt Maco.

Ihre zwei Kinder sollen eine andere Kindheit haben. Nach der Geburt ihres heute zweijährigen Sohnes hat Maco sich ein Verhütungsstäbchen implantieren lassen. Diese hormonelle Verhütungsmethode funktioniert ähnlich wie die Pille.

Trotz erbitterten Widerstandes der Kirche verhüten immer mehr Menschen in dem mehrheitlich katholischen Inselstaat. Nach Angaben der Bevölkerungskommission benutzten 2015 etwa 45 Prozent der Paare moderne Verhütungsmittel. 2013 waren es nur 38 Prozent. Das Bevölkerungswachstum habe sich dadurch auf 1,72 Prozent pro Jahr verlangsamt. Bei der Volkszählung 2010 lag es noch bei 1,9 Prozent.

Princess Maco wurde von ihrer eigenen Mutter dazu ermuntert, zu verhüten. «Ich wollte nur zwei Kinder», erzählt die 51-jährige Myrna. Aber niemand habe ihr erklärt, dass Familienplanung möglich sei. «Also bekam ich ein Kind nach dem anderen. Ich war mit meinem zwölften Kind schwanger, als ich gehört habe, dass es so etwas wie Empfängnisverhütung gibt.»

Myrna ist heute im Dorfrat in Tondo aktiv, einem Slumviertel in Manila. Sie träumte einst davon, Anwältin zu werden. «Wenn ich gewusst hätte, wie man verhütet, wäre ich heute vielleicht reich. Mein Mann und ich haben hart gearbeitet, aber das Geld hat nie gereicht.» Alles sei für Kleidung, Schule und Medikamente draufgegangen. Nicht einmal neue Unterwäsche konnte sie kaufen, erinnert sie sich. Myrna hält auch ihre unverheirateten Kinder dazu an, zu verhüten. Sie sollten ihre Träume verwirklichen; ungeplante Schwangerschaften nähmen ihnen viele Möglichkeiten. «Ich möchte, dass sie alle ein besseres Leben haben.»

Das ist heute auch leichter als noch vor einigen Jahren. Die Stadtregierung Manilas etwa hatte die Abgabe von Verhütungsmitteln lange stark beschränkt – so konnten Ärzte in staatlichen Kliniken sie nicht verschreiben, sogar Information über Verhütung war verboten. Nichtregierungsorganisationen konnten dies nur schwer ausgleichen, vor allem arme Frauen hatten wenig Möglichkeiten, an Verhütungsmittel zu gelangen.

Erst 2012 ordnete Präsident Benigno Aquino in einem neuen Gesetz staatliche Mittel für alle Formen der Familienplanung an. Sein Nachfolger Rodrigo Duterte sieht in der Drei-Kind-Familie den besten Weg zum Wachstum. «Ich bin Christ, aber ich bin auch Realist, also müssen wir etwas gegen unsere Überbevölkerung tun. Dafür widersetze ich mich auch der Meinung der Kirche», sagt Duterte.

Geringeres Bevölkerungswachstum, das bedeute auch weniger Armut, sagt Ernesto Pernia, Chef der Behörde für soziale und wirtschaftliche Planung. Etwa ein Drittel der 100 Millionen Philippiner leben in Armut. Wenn Familien Geburten beschränkten und so planten, dass sie ihre Kinder auch gut versorgen könnten, hätte dies große Auswirkungen auf Ungleichheit und Armut.

Ihr Mann wolle noch mehr Kinder, sagt Maco. Aber sie habe ihn vertröstet: Eine größere Familie koste mehr Geld. «Ich glaube nicht, dass wir uns das jetzt leisten können.» Derzeit könne sie ihren Kindern etwas bieten. Neue Kleidung, Wochenendausflüge oder Spielzeug. Sie hat auch noch eigene Karrierepläne. «Ich wollte immer Polizistin werden. Mit einer kleineren Familie ist das noch möglich. Wenn mein Mann und ich beide arbeiten, können wir mehr Geld sparen. Vielleicht kommen dann auch noch mehr Kinder.»