Ein kugeliger Schmarotzer

+++(c) dpa - Nachrichten für Kinder+++

Von Stefanie Paul, dpa

Auf Weihnachtsmärkten können Besucher sie oft an Ständen kaufen: buschige, grüne Kugeln. Das sind Misteln. Die Pflanzen sind besonders gut im Herbst und Winter zu entdecken. Sie wachsen oft hoch oben an den Ästen anderer Bäume.

 +++(c) dpa - Nachrichten für Kinder+++
+++(c) dpa – Nachrichten für Kinder+++

Elke Löpke geht einen schmalen, matschigen Feldweg entlang. Nach ein paar Schritten bleibt sie stehen und sagt: «Da wären wir.» Neben dem Feldweg, auf einer kleinen Wiese, steht ein Apfelbaum. In seinen Ästen hängen mehrere merkwürdige, grüne Kugeln. «Das sind Misteln», verrät die Fachfrau.

Dann zeigt sie auf die großen Bäume, die ringsherum um die Wiese stehen. Es sind hohe und alte Laubbäume. Sie heißen Pappeln. An ihren Ästen hängen Dutzende große, buschige Misteln. Aus der Entfernung sieht es ein bisschen aus, als hätte jemand riesige Christbaumkugeln an die Bäume gehängt.

«Im Herbst und im Winter kann man die Misteln besonders gut entdecken», erklärt die Fachfrau. Dann haben die Bäume – wie zum Beispiel die Pappel – ihr Laub verloren.

Doch was haben die Misteln eigentlich auf den Bäumen zu suchen? «Die Pflanzen sind sogenannte Halb-Schmarotzer», erklärt Elke Löpke. Das bedeutet, sie wachsen nicht nur auf den Ästen anderer Bäume. Sie lassen sich auch von den Bäumen versorgen: Die Mistel bohrt sich mit Wurzeln tief in den Ast hinein.

Dort zapft sie dann die Leitungsbahnen des Baumes an. So versorgt sich die Mistel mit Wasser und anderen wichtigen Stoffen. Wachsen allerdings zu viele Misteln gleichzeitig, kann das für den Baum gefährlich werden. Sie entziehen ihm zu viel Wasser – und der Baum geht irgendwann kaputt.

Misteln sind aber keine reinen Schmarotzer, sondern nur Halb-Schmarotzer. «Misteln haben immergrüne Blätter und können deshalb selbst Photosynthese betreiben», verrät die Fachfrau. Das heißt: Sie können Kohlen-Stoff-Dioxid aus der Luft aufnehmen und umwandeln. Zum Beispiel in Sauerstoff und Zucker.

Vor mehreren Tausend Jahren war die Mistel besonders heilig. Die Menschen glaubten damals, die Pflanze habe Zauberkräfte. Deshalb wurde die Mistel zum Beispiel auch als Heilpflanze verwendet. Oder sie wurde über die Haustür gehängt. Denn Menschen glaubten, die Mistel könnte böse Geister und Unheil abwehren.

Heutzutage kann man die Mistel kaufen, zum Beispiel ist sie auf vielen Weihnachtsmärkten zu haben. Menschen hängen sich die grünen Pflanzen gern als Dekoration in die Wohnung oder an die Tür. Denn es gibt einen besonderen Brauch: Wenn Verliebte unter einem Mistelzweig stehen und sich küssen, soll es ihnen Glück bringen.