Eine Schockwelle erfasst den FC Bayern

Der FC Bayern verspielt in Berlin eine 2:0-Führung wie schon gegen den VfL Wolfsburg.

Die Post-Ancelotti-Ära beginnt enttäuschend, zudem verletzt sich Franck Ribéry offenbar schwerer.

Der FC Bayern München hat die Post-Ancelotti-Ära mit einem enttäuschenden Unentschieden bei Hertha BSC eingeleitet. Vor den Augen der Klub-Oberen Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß kam der deutsche Rekordmeister nach 2:0-Führung lediglich zu einem 2:2. Damit sind die Bayern nun schon seit drei Spielen – für Bayern-Verhältnisse ein Weltalter – ohne Sieg. Dass sich Interimscoach Willy Sagnol, der erstmals auf der Bank saß, in eine moderne Version des soeben beim VfL Wolfsburg geschassten Andries Jonker verwandeln darf, ist arg zu bezweifeln. Nach der Entlassung von Louis van Gaal hatte Jonker im Frühjahr 2011 gleich fünf Spiele in Serie als Ersatztrainer in München aushelfen dürfen, die er alle gewann.

Ein Blick auf die Tabelle offenbart, dass der Handlungsdruck eher größer als kleiner geworden ist – fünf Punkte Rückstand haben die Münchner auf Borussia Dortmund. Wortkarg verließen die meisten Bayern-Profis das Berliner Olympiastadion, das Fazit oblag Sagnol: „Für uns ist das ein bisschen ärgerlich. Wir müssen mit mehr Konzentration und Disziplin spielen. Wir haben schwer bezahlt, denn ohne Konzentration sind wir nicht mehr die stärkste Mannschaft Deutschlands.“ Ohne Konzentration genügen selbst so schöne Tore wie jene von Mats Hummels (10.) und Robert Lewandowski (49.) nicht. Sagnol hatte in Berlin so ziemlich genau das getan, was von ihm erwartet worden war. Jene fünf Profis (Robben, Ribéry, Hummels, Boateng, Müller), die Carlo Ancelotti „gegen sich aufgebracht hatte“, wie es Klubpräsident Uli Hoeneß formulierte, standen wieder in der Startelf. Beim 0:3 in der Champions League bei Paris St. Germain hatten sie – bis auf Müller – noch auf der Bank Platz nehmen müssen. Jérôme Boateng und Mats Hummels spielten in der Innenverteidigung, Franck Ribéry und Arjen Robben waren auf den Flügeln unterwegs.

Es war dann auch sinnigerweise eine Kooperation der Entrechteten von Paris, aus der der Führungstreffer entsprang. Eine zu kurz geratene Abwehr von Herthas Linksverteidiger Marvin Plattenhardt landete bei Robben, der den Ball auf Boateng zurücklegte. Aus dem Halbfeld flankte Boateng präzise auf den Kopf von Hummels, der den Ball aus etwa zwölf Metern scharf neben dem Pfosten platzierte. Der sehenswerte Treffer schien alle Vorzeichen der Partie zu bestätigen. Sie standen für Willy Sagnol insofern günstig, als Hertha gegen den FC Bayern nicht nur auf den gesperrten Kapitän und Mittelstürmer Vedad Ibisevic verzichten musste, sondern gegen den Rekordmeister auch eine ausgesprochen negative Bilanz aufzuweisen hat. Die Hertha hatte elf der letzten zwölf Duelle verloren. In der vorigen Saison hätte es fast zum Sieg gereicht, ehe der Schiedsrichter damals eine Ewigkeit nachspielen ließ und die Bayern noch zum 1:1-Ausgleich kamen.

Ribérys Verletzung schockt Bayern

Am Sonntag war der Schiedsrichter nur in der Startphase ein Thema. Nach Kontakt im Münchner Strafraum zwischen Bayerns Martínez und Herthas Darida entschied Harm Osmers auf Elfmeter, nahm die Entscheidung aber zurück, nachdem er sich am Spielfeldrand geschlagene 52 Sekunden lang Wiederholungen auf einem Monitor angesehen hatte. Sein Urteil blieb auch nach Ansicht aller Zeitlupen strittig. Danach zerfaserte die Begegnung – wobei die Bayern jedes Mal, wenn auf den Rängen Gähnattacken drohten, mit einer Großchance aufwarten konnten. Herthas Torwart Rune Jarstein hatte in der 44. Minute Glück, als Lewandowski sich um seinen Bewacher Niklas Stark wand wie eine Kobra ums Geäst und aufs Tor feuern konnte. Wie sich herausstellen sollte, hatte sich Lewandowski sein achtes Saisontor nur aufgespart. Denn vier Minuten nach Wiederanpfiff gewann der Pole einen robusten Luftkampf mit Stark und zog unhaltbar für Jarstein zum 2:0 ab.