Formel 1 Kanada: Mercedes schlägt mit Doppelsieg zurück

Zwei Wochen nach der Pleite von Monaco gewinnt Lewis Hamilton in Montreal vor Bottas – Sebastian Vettel auf P4 – Diskussionen um Teamorder bei Force India

Einen Tag nach der emotionalen 65. Pole-Position seiner Karriere hat Lewis Hamilton den Grand Prix von Kanada zum sechsten Mal gewonnen. Der Mercedes-Fahrer lieferte in Montreal von der ersten bis zur letzten Runde eine dominante Vorstellung ab und überquerte die Ziellinie nach 70 Runden mit 19,8 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen Valtteri Bottas. Sebastian Vettel (Ferrari) wurde nach einem für ihn turbulenten Rennen Vierter.

Vettel, auf Basis der Leistungen in den Freien Trainings zumindest Mitfavorit auf den Sieg, verlor gleich am Start zwei Positionen. Während er sich innen gegen Bottas zu verteidigen versuchte, zog außen Max Verstappen an ihm vorbei. Bitter: Der Red Bull rasierte ihm einen Teil des Frontflügels ab, weshalb Vettel schon in der fünften Runde zum ersten Boxenstopp kommen musste – eine Sicherheitsentscheidung, denn seine Rundenzeiten waren trotz des zerfledderten Flügels akzeptabel.

Der WM-Leader (nach Montreal immer noch zwölf Punkte Vorsprung auf Hamilton) fiel ans Ende des Feldes zurück. Von da an arbeitete er sich konsequent zurück nach vorne – allerdings zunächst mit einer Schrecksekunde, als er unmittelbar nach dem Boxenstopp glaubte, sein Frontflügel sei schon wieder lädiert. Das stellte sich als falscher Alarm heraus, und nach seinem zweiten Boxenstopp lag Vettel 4,3 Sekunden hinter Teamkollege Kimi Räikkönen an siebter Stelle.

Räikkönen hatte die um acht Runden älteren Ultrasofts, aber 3,4 Sekunden Vorsprung, als er in der 60. Runde in der Zielschikane geradeaus fuhr und Vettel durchlassen musste. Erster Verdacht: Teamorder! Aber der stellte sich als falsch heraus. Vielmehr waren es technische Probleme, die Räikkönen bremsten. Unter anderem wurde er via Funk eindringlich ermahnt, er möge die stark überhitzenden Hinterradbremsen abkühlen.

Das Rennen ging nun in seine elektrisierendste Phase. Daniel Ricciardo (Red Bull) behauptete sich mit den ältesten Reifen (Soft) der Kampfgruppe vor den beiden Force Indias, von denen der hinten liegende Esteban Ocon wegen seines späteren Boxenstopps das schnellere Tempo gehen konnte als Sergio Perez. Und von hinten näherte sich Vettel in Siebenmeilenstiefeln. Räikkönen schleppte sich da schon nur noch mühsam als Siebter ins Ziel.

Dann die Entscheidung in Runde 65/66: Zuerst probiert Ocon, Perez in der Zielschikane überholen – und dann attackiert im Senna-S Vettel mit Geschwindigkeitsüberschuss! Ocon muss in die Wiese abbiegen, Perez kann sich vor Vettel halten. Aber in der 68. Runde kann sich dann auch der Mexikaner nicht mehr gegen den Ferrari wehren. „Mit dem dritten Platz hatte ich irgendwie noch gerechnet, aber die Force Indias waren unheimlich schnell auf den Geraden“, seufzt Vettel.

„Im Endeffekt hat uns eine Runde gefehlt“, sagt er. Den Rückstand auf Ricciardo konnte er in der letzten Runde von 2,5 auf 0,6 Sekunden reduzieren. Dem Start trauert er aber nicht mehr nach: „Der war okay. Nicht gut, hätte besser sein sollen, aber ich hatte einfach keinen Grip. Ich habe schon in der Formationsrunde gemerkt, dass auf meinen Platz nicht so viel Gummi lag. Mein Start war nicht besser oder schlechter als Lewis seiner, aber in der ersten Kurve war ich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort.“

Bei Force India hängt jetzt der Haussegen schief. Denn als sich abzeichnete, dass Perez nicht an Ricciardo vorbeikommen würde, gab es eine Teamorder: Perez soll Ocon durchlassen und es gegen den Red Bull versuchen – und wenn er es nicht schafft, wird wieder zurückgetauscht. Perez bettelte aber so lange, er werde beim Überrunden schon noch seine Chance bekommen, bis das Team einwilligte, die Positionen doch nicht zu tauschen.