Frauen in US-Kampftruppen

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Von Martin Bialecki, dpa

Kämpfende Soldatinnen in den Elitetruppen des US-Militärs: Vor nur zehn Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. Was jetzt rasch Normalität werden soll, wird im Alltag nicht einfach.

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Washington (dpa) – Braucht ein U-Boot der US-Navy künftig getrennte Toiletten für Männlein und Weiblein? Müssen Kasernen umgebaut werden, Schlafräume neu konzipiert? Konsequenterweise eigentlich ja. Das US-Militär öffnet alle seine Kampftruppen auch Frauen – die Umsetzung in den Alltag wird eine Herausforderung.

Im insgesamt kleiner werdenden US-Militär waren 2014 von rund 1,3 Millionen Soldaten 15 Prozent Frauen. Soldatinnen kämpfen zwar seit vielen Jahren für die USA, etwa in Afghanistan oder im Irak. Aber bisher wurden sie eher in Kampfhandlungen verwickelt, als dass sie sie hätten anführen dürfen. Nun dürfen Soldatinnen satte 220 000 Positionen im Militär besetzen, die ihnen bisher verwehrt waren.

Frauen können künftig auch bei den Marines und Spezialeinheiten wie den Navy Seals, den Green Berets oder als Fallschirmspringerinnen kämpfen. «Amerikas Streitkräfte der Zukunft müssen die Fähigkeiten der Besten umfassen, die Amerika zu bieten hat – das schließt Frauen ein»: So begründete Verteidigungsminister Ashton Carter den historischen Schritt.

Die Marines (93 Prozent Männer) waren die einzigen, die auf Ausnahmen beharren und bestimmte Einheiten recht gern Männern vorbehalten wollten. Sie fürchten um Moral und Zusammenhalt der Truppe, wollen sich damit aber ungern namentlich zitieren lassen. Ausnahmen wird es aber keine geben – gleiches Recht für alle, volle Gleichberechtigung.

Für Barack Obama ist das nur konsequent. «Als wir die Trennung von Schwarzen und Weißen im Militär aufgehoben haben, wurde es stärker. Als wir schwulen und lesbischen Amerikanern im Militär erlaubt haben, mit ihrer sexuellen Ausrichtung offen umzugehen, wurde es stärker», erklärt er.

Für den Schritt gab es neben einiger Skepsis auch viel Beifall. «Ich bin überglücklich!» sagte Katelyn van Dam, eine Kampfhubschrauberpilotin, der «New York Times». «Wenn jetzt ein kleines Mädchen später mal gerne in einen Marines-Panzer möchte, kann ihr das niemand mehr verbieten.»

Verbieten nicht, aber der Weg dorthin ist lang und staubig. Knallhart sind die Prüfungen für die Kampftruppen und oft extrem herausfordernd. Gewaltmärsche mit schwerem Gewicht, Schlafentzug, Krafttests: «Hm, das ist schon alles nicht einfach», sagt Paul Davis, der die Ausbildung der Marines wissenschaftlich untersucht hat.

Liegestütze, Drei-Meilen-Läufe, Sit-ups in hoher Zahl: Die Prüfungen werden wohl angepasst werden müssen, gibt es doch jetzt einige «male only», nur für Männer. Davis sagt: «Selbst wenn wir die letzte Bastion der Trennung schleifen wollen – die Mehrheit der Frauen wird gar nicht in der Lage sein, diesen Job zu machen.»

Ashton Carter war auf derlei Einlassungen vorbereitet. «Natürlich gibt es körperliche Unterschiede», sagt er. «Es wird Frauen geben, die die extremen Herausforderungen bewältigen werden – so wie es übrigens auch Männer gibt, die sie nicht bewältigen.» Allgemein formuliert gehe es nunmehr ganz ausschließlich um das Können. Und eben nicht mehr um das Geschlecht.

Seit 1957 dürfen Frauen an die Militärakademien der USA, seit 1993 Kampfflugzeuge fliegen und Kriegsschiffe kommandieren. Als in diesem Herbst erstmals zwei Soldatinnen die Ausbildung zum Ranger erfolgreich abschlossen, strahlend und stolz, galt das schon als kleine Sensation.

Jonathan Silk ist Major im Ruhestand, er hat in Afghanistan gekämpft. «Im Gewühl der Schlacht», sagt er der «New York Times», «habe ich dort das erste Mal so richtig wahrgenommen, dass Frauen unter dem gleichen Beschuss liegen wie wir, dass sie unmittelbar neben uns den gleichen Horror erleben. Und sie kämpften so gut wie wir, einige waren grandiose Persönlichkeiten. Das hat mir gewaltigen Respekt eingeflößt.»