Gedichte mit Krawumm und Böllern

+++(c) dpa - Nachrichten für Kinder+++

Interview: Ann-Kathrin Marr, dpa

«Der Fuchs ist schlau – das weiß er genau. Er schleicht sich an, einfach weil er es kann. Doch die Maus hat super Ohren, sonst wäre sie verloren. Flink wie kleine Zwerge, ist sie über alle Berge.» Gedichte finden viele Leute super. Wie Profis Reime schreiben, weiß Erwin Grosche. Er ist selbst Dichter.

+++(c) dpa - Nachrichten für Kinder+++
+++(c) dpa – Nachrichten für Kinder+++

Erwin Grosche hat schon viele Gedichte für Kinder geschrieben. Darunter waren lustige Themen: Es ging um Bohrmaschinen, Trampoline oder wütende Flöhe. dpa-Nachrichten für Kinder hat der 60-Jährige erzählt, wie er auf Ideen kommt.

Ein Gedicht schreiben – wie machen Sie das?

Erwin Grosche: «Meine Gedichte entstehen eigentlich immer in der Küche oder im Badezimmer. Oder wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe und mir etwas auffällt. Zum Beispiel wenn Bäume abgesägt werden. Dann höre ich einen Rhythmus: Heeem, heem, heem. Ich spreche dann das Wort «Säge» als wäre ich selbst eine Säge – und so finde ich einen Reim: Zum Beispiel «Säge» und «Schräge». Die Säge schneidet den Baum in die Schräge. So entsteht ein Spaßgedicht.»

Wann haben Sie mit dem Dichten angefangen?

Erwin Grosche: «Meine ersten Gedichte habe ich aus Langeweile geschrieben, in der Schule. Da habe ich immer so getan, als würde ich zuhören – und dabei Gedichte gemacht. Ich hätte damals aber nicht gedacht, dass ich mal so viele Gedichte schreibe. Das ist ja unfassbar, dass ich dabeigeblieben bin.»

Manchmal schreiben Sie auch zusammen mit Kindern Gedichte. Wie funktioniert das?

Erwin Grosche: «Zuerst gucken wir uns die Gegenstände an, die um uns herum sind: eine Lampe, eine Heizung, eine Kaffeemaschine. Dann überlegen wir: Was für Geräusche macht eigentlich die Heizung, die Kaffeemaschine? Wenn man den Geräuschen lauscht, beachtet man das, was sonst nicht beachtet wird. Ein Junge hatte zum Beispiel eine Bonbondose. Die scheppert, wenn man sie schüttelt. Und daraus hat er dann ein Gedicht gemacht.»

Und wie findet man einen guten Reim?

Erwin Grosche: «Reime kriegt man oft hin, wenn man sich gerade nicht vornimmt: Das soll jetzt etwas ganz Besonderes werden. Und der erste Reim, der einem einfällt, ist oft der beste.»

Was ist sonst noch wichtig?

Erwin Grosche: «Das ist erst einmal der Mut zum Fehler, zum Ausprobieren und Tüfteln. Da war zum Beispiel ein Junge, der hat ein Gedicht gemacht, mit Krawumm und mit Böllern. Seine Mutter hat gesagt, ihr würde das nicht gefallen. Aber der Junge war auf einem guten Weg! Man muss schon Spaß haben.»