Gletscher-Abenteuer endet für Touristen in Neuseeland tödlich

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Von Christiane Oelrich, dpa

Atemberaubende Landschaften und Gletschertouren im Sommer – damit lockt Neuseeland jedes Jahr Millionen Besucher. Gletscher hautnah zu erleben, mag inzwischen wie ein Kinderspiel wirken. Ein tragisches Unglück zeigt nun einmal mehr die Gefahren alpiner Regionen.

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Zwei junge Leute aus Australien steigen aufgeregt in den Hubschrauber. Zusammen mit zwei Ehepaaren aus Großbritannien, das eine Anfang 50, das andere im Rentenalter. Dieser Samstag soll ein Höhepunkt ihrer Neuseeland-Tour werden. Die Touristen wollen den atemberaubenden Fox-Gletscher mit seinen Schneefeldern und Gletscherspalten aus der Luft erkunden. Doll ist das Wetter nicht, aber wenn man schon mal vor Ort ist… Dann passiert die Tragödie.

Die Basis-Station alarmiert die Polizei, als der Helikopter nicht wie geplant zurückkehrt. Sofort fliegen Suchhubschrauber los. Kurz vor Mittag dann die traurige Gewissheit: Piloten entdecken den vermissten Hubschrauber in einer Gletscherspalte. Ein Rotorblatt ragt fast intakt aus dem Eis. Es ist zwar windig und entsprechend gefährlich, aber Bergungskräfte seilen sich trotzdem ab. Sie finden kein Lebenszeichen.

Wieso der 28 Jahre alte Pilot die Gewalt über den Hubschrauber verlor, ob es technische Probleme gab, ob das Wetter eine Rolle spielte – man weiß es zunächst nicht. «Unsere Aufgabe ist es, die Umstände und Ursachen zu ermitteln, und zu sehen, ob Lektionen daraus gelernt werden können, die einen ähnlichen Unfall verhindern», sagt Peter Northcote von der Behörde für Transportunfall-Untersuchungen.

In den südlichen Alpen, wie die Region hier heißt, hat es in den letzten Tagen immer wieder geregnet, die Wolken hingen tief. Im Tal sieht man das aber nicht immer. Bei strahlendem Sonnenschein berichtet Polizeiinspektor John Canning am Sonntag: «Wir haben da oben Bergungskräfte abgeseilt und drei Leichen geborgen, aber das Wetter hat sich dermaßen verschlechtert, dass wir den Einsatz abbrechen mussten.»

Die Unfallermittler greifen auch auf eine Drohne zurück. «Das Terrain dort ist außerordentlich schwierig, mit tiefen Gletscherspalten», sagte Northcote. «Wir brauchen detaillierte Aufnahmen, das wäre vom Hubschrauber aus nicht möglich.»

Neuseeland ist für Touristen ein Abenteuer-Ziel: Hier wurde das Bungee-Jumping erfunden. An einem Drahtseil durch die Baumkronen des Waldes sausen, Tandem-Fallschirmsprünge, Wildwasserfahrten: Reiseveranstalter haben alles im Angebot – am Aoraki eben Gletschertouren und Eisbergsteigen für Anfänger. Die Bergführer sind bestens ausgebildet und die Sicherheitsvorkehrungen strikt, deshalb kommen die Abenteurer in aller Regel wohlbehalten zurück.

Der majestätische Mount Cook, in der Maori-Sprache der Ureinwohner Aoraki, ist gut 3750 Meter hoch. Bei blauem Himmel sind die Hubschraubertouren unvergesslich. Unten glitzert der Schnee, in der Ferne das tiefblaue Meer. In Maori heißt der Fox-Gletscher «Te Moeka o Tuawe», Bett des Tuawe.

Daneben liegt der Franz-Josef-Gletscher, Ende des 19. Jahrhunderts nach dem österreichischen Kaiser benannt. Er heißt auf Maori «Ka Roimata o Hinehukatere», Tränen der Hinehukatere. Die Legende dazu ist traurig: Die furchtlose Hinehukatere nahm einst ihre große Liebe Tuawe mit auf Bergtour, doch wurde der Mann von einer Lawine erfasst und getötet. Hinehukateres langer Tränenfluss gefror zu dem Gletscher.