Grausige Gewissheit: Elias und Mohamed Opfer von Sexualtäter

Der mutmaßliche Mörder des kleinen Mohamed gesteht nach seiner Festnahme, dass er auch Elias getötet hat. Mehr sagt er nicht. Die Ermittler müssen noch einige Fragen klären.

Von Andreas Rabenstein und Klaus Peters, dpa

Polizei
Michael Scharf, Stabsleiter der Polizeidirektion West (l) und Heinrich Junker, Oberstaatsanwalt der Stadt Potsdam, äußern sich auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am 01.11.2015 in Potsdam (Brandenburg) über den Mordfall Elias (6). Der Junge war im Juli vor seinem Elternhaus in Potsdam entführt worden. Foto: Nestor Bachmann/dpa

Der fürchterliche Verdacht hat sich bestätigt: Der mutmaßliche Mörder des Flüchtlingsjungen Mohamed hat auch Elias aus Potsdam umgebracht. In beiden Fällen führte der in U-Haft sitzende 32-Jährige die Polizei zu den Leichen. Die DNA-Analyse brachte am Sonntag endgültige Klarheit: Das tote Kind, das Ermittler in dessen Kleingarten fanden, ist Elias, der sei Juli vermisst wird.

Der Brandenburger Wachmann hatte bei seiner Vernehmung zum Fall des Flüchtlingsjungen Mohamed gestanden, auch den Sechsjährigen aus Potsdam auf dem Gewissen zu haben. Die Umstände dieser Tat bleiben aber nach wie vor im Dunkeln. Außer seines knappen Geständnisses machte der mutmaßlicher Doppelmörder bislang keine Angaben.

Elias‘ Leiche war in einem Paket in etwa einem halben Meter Tiefe vergraben. Der Verdächtige hatte der Polizei die Stelle in seinem Schrebergarten südlich von Berlin skizziert. Weil der Mann selbst nichts mehr sagt, geben auch die Ermittler bislang nur wenig preis. Sexuelle Motive waren bei beiden Fällen im Spiel. Wohl bereits kurz nach ihrer Entführung mussten beide Kinder sterben. Mehr Erkenntnisse soll bei Elias eine Obduktion bringen.

Die bekannten Details sorgten für Erschütterung und Trauer. Der mutmaßliche Mörder sagte aus, er habe vor der Entführung von Mohamed (4) nur Kleidung und Plüschtiere für die Flüchtlinge vor der Anlaufstelle in Berlin-Moabit spenden wollen. Angeblich wurde er dann in dem Menschengewimmel von Hunderten Flüchtlingen auf Mohamed aufmerksam und gab ihm ein Plüschtier. Der Junge sei dann hinter ihm hergelaufen und mit zum Auto gekommen, so die Aussage, die auch eine Schutzbehauptung sein kann.

Mohamed wurde nach Aussage des Täters noch am Abend und in der Nacht der Entführung vom 1. Oktober im Obergeschoss des Elternhauses in Kaltenborn in Südbrandenburg sexuell missbraucht. Dann habe des Kind «gequengelt und gemault» und weg gewollt, zitierte Oberstaatsanwalt Michael von Hagen die Aussagen des Täters. Aus Angst, entdeckt zu werden, erdrosselte der Mann den Jungen mit einem Gürtel.

Die Leiche deponierte er auf dem Dachboden in einer Wanne. Zwei bis drei Säcke Katzenstreu kippte er über den toten Körper, um Leichengeruch zu vermeiden.

In Kaltenborn, dem Wohnort des Täters, zeigten sich Bewohner erschüttert. «Ich kann das gar nicht fassen», sagte eine 22-jährige Nachbarin, die direkt gegenüber des mutmaßlichen Doppelmörders wohnt. «Das war immer ein ruhiger und freundlicher Mensch.»

Sein eigener Vater beschrieb den Sohn als «Einzelgänger», wie die «Bild am Sonntag» berichtete. Als Wachmann habe dieser immer die ganze Nacht gearbeitet, mit den Eltern gefrühstückt und zu Abend gegessen, dazwischen geschlafen. «Wir wussten nur, dass er da ist, wenn sein Transporter vor der Tür stand. Alles war gut.»

In Potsdam-Schlaatz, wo die Familie von Elias wohnte, sagte eine 30-jährige Nachbarin: «Ich bin sehr betroffen. Ich habe selbst einen Jungen im gleichen Alter wie Elias. Im vergangenen Jahr habe ich ihn auf einem Volksfest mal fünf Minuten aus den Augen verloren und das war absoluter Horror.»

Einen Zusammenhang mit einem dritten Fall sahen die verschiedenen Kriminalpolizeibehörden zunächst nicht: Am 2. Mai verschwand die fünfjährige Inga in einem Wald bei Stendal in Sachsen-Anhalt.

Die Ermittler wurden auch vor die Frage gestellt, ob bereits früher Indizien zum mutmaßlichen Doppelmörder hätten führen können. 1300 Hinweise seien bei der Polizei zum vermissten Elias eingegangen, sagte der Leiter der Polizeidirektion West, Peter Meyritz. «Es war aber nicht einer dabei, der auf den jetzigen Tatverdächtigen deutete.»