Karnevalsfans starten in die neue Session – Missklänge in Köln

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Von Petra Albers, dpa

Bald ist es wieder soweit: Um Punkt 11.11 Uhr am 11.11. sind die Jecken los. In den Hochburgen stellen sich die neuen Tollitäten dem Volke vor, das den Auftakt des Straßenkarnevals feiert. In Köln sorgt die Absage der Bläck Fööss für Diskussionen.

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Köln/Düsseldorf (dpa) – Schunkeln, Singen, Trinken: In wenigen Tagen fällt der Startschuss zum närrischen Treiben. Am 11.11. starten die Jecken vielerorts in die neue Karnevalssession. Vor allem in den rheinischen Hochburgen werden wieder zehntausende Feiernde erwartet.

In Köln werden am Mittwoch nach dem Empfang des neuen Dreigestirns im Historischen Rathaus den ganzen Tag über rund 35 Karnevalsbands auf dem Heumarkt für Stimmung sorgen. Allerdings gab es im Vorfeld Missklänge: Die Kultband Bläck Fööss hatte ihren traditionellen Auftritt in der Altstadt abgesagt – es sei zu laut, zu voll und zu viel Alkohol im Spiel.

Die Organisatoren der Heumarkt-Veranstaltung können die Absage nicht recht nachvollziehen. «Unter den Besuchern gibt es welche, die über die Stränge schlagen», räumt Ralf Schlegelmilch, Präsident der Willi-Ostermann-Gesellschaft, ein. «Aber die große Mehrheit feiert friedlich und fröhlich.»

Die Karnevalisten arbeiteten seit Jahren mit Polizei und Stadt zusammen, betont die Sprecherin des Festkomitee Kölner Karneval, Sigrid Krebs. Das Verbot von Glasflaschen und Gläsern habe gute Erfolge gezeigt. Am 11.11. kämen jedoch sehr viele Auswärtige nach Köln, darunter seien zahlreiche Jugendliche, die schon morgens angetrunken aus dem Zug stiegen. «Da sind auch die Eltern gefragt, das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die der Karneval nicht allein lösen kann», sagt Krebs.

Ähnliche Probleme wie in Köln befürchten die Düsseldorfer nicht. «Wir sehen das hier alles ganz entspannt», sagt der Sprecher des Comitee Düsseldorfer Carneval, Hans-Peter Suchand. «Leute von auswärts reisen hier eher zu Altweiber an, und weniger zum 11.11..» Die einheimischen Narren feiern um Punkt 11.11 Uhr das Erwachen des Erzschelms Hoppeditz auf dem Platz vor dem Rathaus. Das Motto lautet in diesem Jahr: «Düsseldorf – scharf wie Mostert».

In Bonn empfängt Oberbürgermeister Ashok Sridharan die neuen Tollitäten, ehe sie auf dem Markt der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Aachener Karnevalsfans starten am Kugelbrunnen mit einem mehrstündigen Bühnenprogramm in die neue Session.

Was die Kostüme anbelangt, so lässt sich nach Angaben der Fachgeschäfte bislang kein eindeutiger Trend ausmachen. «Flower-Power geht immer noch gut, mit bunten Hemden und Schlaghosen», sagt Bernd Schneider vom Kostümhändler Karnevalswierts. Bei anderen Verkaufsstellen wie Deiters und Galeria Kaufhof sind neben Mottoartikeln auch Piraten, Fliegeroveralls sowie die klassischen Clown- und Indianer-Outfits gefragt. Wärmende Plüschkostüme werden je nach Wetter meist kurzfristig gekauft. Wenn es bis zum 11.11. weiter mild bleibt, dürften Tiger, Eisbär & Co. wohl eher zu Ladenhütern werden.

Auch weiter südlich in Deutschland geht es am 11.11. zur Sache: Auf dem Mainzer Schillerplatz werden zum ersten Testlauf der Straßenfastnacht mehr als 10 000 Menschen erwartet. Los geht es mit einem Sternmarsch der «Schwellköpp» – das sind die überdimensionierte Masken, die auch am Rosenmontag durch die Straßen ziehen. Unter den Klängen des Narrhalla-Marschs wird dann das «närrische Grundgesetz» der Mainzer Fastnacht verlesen. In Artikel 4 heißt es: «Gelobt sei jeder Narr, der auch im nüchternen Zustand närrisch ist.»

Allerdings hat der 11.11. für die Mainzer keine besondere Tradition – der eigentliche Beginn der «Kampagne» ist der 1. Januar. Aber Mainz spanne an diesem Tag mit Begeisterung den Bogen nach Köln und Düsseldorf, sagt der Präsident des Mainzer Carneval-Vereins (MCV), Richard Wagner. «Die 11 heißt für uns Narren: Wir halten zusammen, wir ziehen an einem Strang.»

In Baden-Württemberg läuten viele Narrenzünfte ebenfalls am 11. November die fünfte Jahreszeit ein – allerdings nur inoffiziell. Richtig los geht die traditionelle schwäbisch-alemannische Fastnacht erst mit dem Dreikönigstag am 6. Januar. Das Häs, also die traditionelle Verkleidung, darf vorher auf der Straße nicht zu sehen sein. Viele Vereine treffen sich am Mittwoch trotzdem, um die Termine für 2016 festzulegen und sich gemeinsam auf die kommende Saison einzustimmen.