Katarina Witt: «Wo ist die nächste Prinzessin?»

(c) Ralf Roletschek - Eigenes Werk
(c) Ralf Roletschek - Eigenes Werk
(c) Ralf Roletschek – Eigenes Werk

Ex-Eiskönigin Katarina Witt ist «Markenbotschafterin» für Disney und macht Werbung für die Show «Disney on Ice». Sie hofft auf ein Comeback ihres Sports und fragt: «Wo ist die nächste Prinzessin?»

Früher war das Eiskunstlaufen ihr Leben, heute hat Katarina Witt (50) seit Jahren nicht mehr auf dem Eis gestanden. Trotzdem hat sie noch immer einen großes Herz für den Sport, der sie weltweit berühmt machte. Darum macht sie Werbung für die Show «Disney on Ice», in der Disney-Figuren von Micky Maus bis Nemo auf Kufen über das Eis tanzen. Vor der Deutschlandpremiere der Show «100 Jahre voller Zauber» spricht sie am Donnerstagabend in München über den Nachwuchs auf dem Eis, ihren gescheiterten Traum von Olympia in Bayern – und Pittiplatsch.

Frage: Wie ist denn Ihre Verbindung mit Disney und was sind Ihre frühesten Erinnerungen an Disney?

Antwort: So ganz frühe Kindheitserinnerungen sind bei mir ja nicht so da, weil wir ja dann doch mit anderen Figuren aufgewachsen sind, mit Meister Nadelöhr und Pittiplatsch. Disney kam dann erst später, als ich als Eisläuferin auch reisen durfte. Dann war ich auch mal in Disneyland und hab Minnie in Groß gesehen. Später kamen dann die Filme dazu und wie jeder habe ich mich von der Faszination anstecken lassen. Und ich freu mich natürlich, dass die Charaktere mit «Disney on Ice» Schlittschuhe bekommen und die Geschichten auf dem Eis lebendig werden. Da schlägt mein Eiskunstlauf-Herz.

Frage: Können Sie eine solche Eislauf-Show eigentlich genießen? Oder beäugen Sie kritisch die Technik?

Antwort: Nee, null. Das kann ich total genießen. Ich weiß, das ist für Kinder und die Familie gemacht. Es geht nicht um den Olympiasieg oder darum, den dreifachen Axel zu schaffen. Ich bin einfach fasziniert davon, was in diesen Kostümen möglich ist und dass es gelingt, die Disney-Geschichten auf dem Eis noch einmal ganz anders zum Leben zu erwecken.

Frage: «Disney On Ice» ist ja nicht unbedingt eine Sportveranstaltung – aber hoffen Sie, dass Kinder sich dadurch für das Eiskunstlaufen begeistern lassen?

Antwort: Ja total. Deswegen habe ich mich auf die Kooperation so gefreut. Mit mir bringt man ja immer Eis und Eiskunstlauf in Verbindung. Leider fehlt mir das Eis auch irgendwie. Im Fernsehen wird Eiskunstlauf kaum noch gezeigt. Deswegen ist es schwer, Mädchen und Jungen an die Sportart heranzuführen. Meine kleine Hoffnung ist ja, dass nach den Disney-Shows doch eine kleine Eisprinzessin den Zuschauerraum verlässt oder ein kleiner Eisprinz. Wenn man sich der Sportart ein bisschen öffnet, dann ist das ein schöner Nebeneffekt.

Frage: Machen Sie sich Sorgen um diesen Sport?

Antwort: Sorgen nicht. Eiskunstlauf ist in Asien seit Jahren populärer und ich finde es natürlich ein bisschen traurig, dass hier das Eis zu kurz kommt. Es kommen wenige Talente nach, wenn kein großes Vorbild da ist. Damit haben ja viele Sportarten zu kämpfen. Es ist ja klar, dass alle Jungs Fußballspieler werden wollen. Das ist cool und omnipräsent. Natürlich pickt sich das Fernsehen die Sportarten raus, die Quote versprechen. Da kann man alle Seiten irgendwie verstehen. Aber ich frage mich natürlich schon: Mensch, wo ist denn die nächste Prinzessin? Das Problem ist, dass jeder Sport erst mit den Großereignissen viel Aufmerksamkeit bekommt. Bis der Athlet aber dahin kommt, muss er lange Jahre im stillen Kämmerlein im Schweiße seines Angesichts üben, ohne dass es jemand sieht. Man muss langjährige Vorarbeit leisten, bis man im Fernsehen ist und glänzen kann. Ich glaube, es wird immer schwieriger für Jugendliche, zu verstehen, dass dieser blöde Spruch «Gut Ding‘ will Weile haben» nunmal gilt. Im Sport gibt es keine schnelle Berühmtheit. Im Sport ist nix schnell, außer der 100 Meter Weltrekord. Aber dahin zu kommen, dauert Jahre. Es ist wie in der Musik: Wenn jemand der Beste auf seinem Instrument werden will, muss er Stunden und Jahre üben. Diese Geduld zu haben kostet Ausdauer und Disziplin.

Frage: Wie gut beherrschen Sie denn Ihr «Instrument» eigentlich heute noch?

Antwort: Ich bin ewig schon nicht mehr auf dem Eis gewesen. Und ich glaube, wenn ich mir jetzt die Schlittschuhe zubinde und aufs Eis gehe, halte ich mich erstmal an der Bande fest und gucke, wie es sich anfühlt. Die Kufen sind ja doch sehr schmal. Es ist was anderes, aufs Fahrrad zu steigen nach zehn Jahren und zu fahren oder ins Wasser zu springen und zu schwimmen. Aufs Eis zu gehen, das ist glatt.

Frage: Wie lange ist es denn her, dass Sie auf dem Eis waren?

Antwort: Seit fast fünf Jahren war ich nicht mehr auf dem Eis. Das war, als ich den Film «Der Feind in meinem Leben» gedreht habe.

Frage: Wenn Sie wieder nach München kommen, sind Sie dann noch traurig, dass es nicht geklappt hat mit Olympia?

Antwort: Ach, hören se uff. München ist für mich natürlich ganz klar verbunden mit der Bewerbung 2018. Das war eine unglaublich intensive Zeit. Da muss ich weiterhin aufpassen, dass mir da nicht die Tränen kommen. Jetzt sind ja bald die Spiele 2018 in Pyeongchang und das werden auch bestimmt schöne Spiele. Wir wären in Bayern und Deutschland aber tolle Gastgeber gewesen.

ZUR PERSON: Katarina Witt wurde in den 1980er Jahren als Eiskunstläuferin zuerst in der DDR und dann auf der ganzen Welt zum Star. Sie ist mehrfache Europa- und Weltmeisterin und hat auch olympisches Gold gewonnen. Als ihr Traum, die Olympischen Winterspiele 2018 nach München zu holen, 2011 platzte, brach sie in Tränen aus.