Liz Mohn wird 75 – Bertelsmanns First Lady macht weiter

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Von Carsten Linnhoff, dpa

Liz Mohn will bei Bertelsmann noch länger Sprecherin der Familie sein, auch über ihren 75. Geburtstag hinaus. Eine erstaunliche Unternehmerinnen-Geschichte geht weiter.

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Mit dem Kriegsreporter Peter Scholl-Latour, so erzählt es Liz Mohn, sei sie vor Jahrzehnten zum ersten Mal in Asien unterwegs gewesen. Sie habe die hart arbeitenden Frauen auf den Reisfeldern gesehen und sei erschüttert gewesen von dem durch Krieg ausgelösten Leid. «Das war für mich damals ein ganz wichtiges Erlebnis», sagt Liz Mohn heute, kurz vor ihrem 75. Geburtstag.

In der Welt unterwegs sein, mit den Menschen sprechen und von ihnen lernen: für Liz Mohn der Antrieb für ihre Arbeit. Seit dem Tod ihres Mannes Reinhard im Jahr 2009 hält sie die gesamte Macht bei Bertelsmann in ihren Händen. Als Familiensprecherin steht sie an der Spitze der Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft (BVG). Damit kontrolliert sie ein von außen nur schwer zu durchblickendes Konstrukt. Es soll sicherstellen, dass die Familie auch weiterhin das Sagen in Gütersloh hat.

Und Liz Mohn will weitermachen. Diese Information der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» kurz vor ihrem Geburtstag wurde der Deutschen Presse-Agentur bestätigt. Bei ihrem 70. Geburtstag hatte Liz Mohn noch angekündigt, mit 75 sei Schluss. Doch jetzt wird bekannt, dass die Altersgrenze von 75 Jahren bei Bertelsmann schon 2014 gekippt wurde. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es allerdings nicht – dies sei Familiensache, heißt es in der Bertelsmann-Pressestelle.

Bertelsmann als Medien- und Dienstleistungs-Gigant mit zahlreichen Fernseh- und Radio-Sendern, Buch-, Zeitschriften und Musikverlagen, Druckereien und Online-Bildungsangeboten hat 2015 mehr als 17 Milliarden Euro umgesetzt. Weit mehr als 100 000 Menschen arbeiten für das Unternehmen. Mehr als 80 Prozent des Konzerns gehören Stiftungen, allen voran der einflussreichen Bertelsmann-Stiftung, in der die Familie das Sagen hat. Den kleineren Teil hält die Familie direkt.

Und die wird weiterhin geführt von Liz Mohn. Ihr Charme ist legendär. Bei Bertelsmann begrüßte sie – immer elegant gekleidet – die Großen der Weltpolitik, darunter Bill Clinton und Michail Gorbatschow. Ende 2014 besuchte sie der spanische König Felipe in ihrem Privathaus. Sie gilt als herausragende Netzwerkerin und liebt es, am Roten Teppich zu stehen und Prominente bei Spendengalas zu begrüßen.

Ihren Geburtstag am 21. Juni feiert sie im Familienkreis. «Meine Familie wird mich überraschen, ich weiß noch nicht, was passiert», erzählt die noch 74-Jährige. Für sie war der «Rosenball» im Frühjahr in Berlin ihre vorgezogene Geburtstagsparty. Zu Hits von Simply Red und Nena sammelte sie fast eine halbe Million Euro für die von ihr gegründete Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Für Mohn, die bei Bertelsmann erst Telefonistin und später Ehefrau von Patriarch Reinhard Mohn war, ist es ein Grundbedürfnis, gestalten zu können. «Dabei leben wir hier in Deutschland in einem Freiraum, den wir leider oft nicht mehr als solchen wahrnehmen», sagt sie im Gespräch mit Journalisten.

Verantwortliches Unternehmertum ist das Credo, das bei Bertelsmann allen Managern und Mitarbeitern eingeimpft wird. «Das ist der Grundstein für alles», sagt Liz Mohn immer wieder. Dabei gehört nach ihrer Meinung zum Unternehmertum unbedingt auch dazu, Fehler zu machen.

Druck habe sie in den vergangenen Jahren oft verspürt. «Es gab schlaflose Nächte, gerade beim Umbau des Unternehmens», erzählt sie. Besonders belastet habe sie die Entscheidung, den Buchclub zu schließen. «Das war schließlich die Keimzelle von Bertelsmann.»

Dem Druck entkommt sie mit viel Sport (jeden Morgen eine Stunde Laufen oder Schwimmen) und langen Spaziergängen. An den Wochenende sei das trotz des engen Terminkalender durchaus möglich. Sie bezeichnet sich selbst als topfit.

Große Anerkennung hat sich Liz Mohn in den vergangenen Jahrzehnten für ihr Engagement in der Förderung musikalischer Talente und bei der Bekämpfung von Armut und Jugendarbeitslosigkeit erworben. Als Herbert von Karajan sich beklagte, dass es keine Nachwuchsförderung in Deutschland gebe, wartete Liz Mohn nicht lange. Der von ihr ins Leben gerufene Wettbewerb «Neue Stimmen» hat zahlreiche Stars hervorgebracht.

«Liz Mohn ist eine große Unternehmer-Persönlichkeit. Ihr Einsatz gerade für wohltätige Zwecke ist beeindruckend» – so sagte es Unternehmer Clemens Tönnies zuletzt auf dem Roten Teppich des «Rosenballs». Der Fleischfabrikant ist mit seinem Unternehmen ebenfalls in Ostwestfalen zuhause.

Die Liste von Mohns Auszeichnungen ist lang: Frankreich zeichnete sie mit dem Orden der französischen Ehrenlegion aus. In diesem Jahr beschloss die Stadt Gütersloh, sie zur ersten weiblichen Ehrenbürgerin zu machen. Kurios: Auch als Barbie-Puppe ist sie zu haben. Anfang 2013 stellte Hersteller Mattel das Modell vor. Begründung: Die Charity-Lady Liz Mohn sei eine Karrierefrau und eine inspirierende Persönlichkeit.