Mönche im Machtkampf: Wer darf Thailands Buddhisten führen?

In der buddhistischen Mönchs-Hierarchie in Thailand brodelt es. Seit zwei Jahren ist der Top-Job unbesetzt. Einige Mönche wollen mehr Macht für einen mächtigen und umstrittenen Abt verhindern.

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(c) dpa

Bangkok (dpa) – Buddhistische Mönche, die sieht man in Asien meist in stiller Meditation in Tempeln, oder frühmorgens barfüßig, wenn sie Almosen sammeln. So bescheiden geht es nicht immer zu. In Thailand ist im buddhistischen Klerus ein Machtkampf entbrannt. Seit zwei Jahren ist das Amt des Obersten Patriarchen unbesetzt. Es ist vergleichbar mit einem katholischen Erzbischof, nur dass der Patriarch über alle 300 000 Mönche in Thailand gebietet.

Die Hauptfiguren des Dramas: erstens der umstrittene Abt Dhammachayo (71), der den verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs nach eigenem Bekunden im Jenseits ausmachte. Er betreibt auch zwischen Hamburg und dem Schwarzwald laut Webseite eine Handvoll Tempel. Zweitens ein 90 Jahre alter Mönch, Anwärter auf den Top-Job. Er steht Dhammachayo nahe. Drittens Mönche, die zu viel Einfluss des 71-Jährigen fürchten und mit Petitionen gegen die Ernennung des Alten kämpfen.

Die Intrigen sind in vollem Gang: Gerüchte und Anschuldigungen über Korruption, Vetternwirtschaft, politische Zuwendungen wabern durch die Tempel. Gegen den alten Mönch gibt es eine Anzeige, weil er ein Luxusauto ohne Steuern nach Thailand geschmuggelt haben soll. Gegen den selbst ernannten Steve-Jobs-Intimus wird wegen Geldwäsche in Millionenhöhe ermittelt. Pikant: einflussreiche Politiker und Würdenträger sollen Mitglieder des Tempels sein und den Abt schützen.

Somdet Chuang ist 90, ein bisschen wacklig auf den Beinen, aber geistig noch auf der Höhe. Er ist der höchste unter den acht möglichen Kandidaten für das Amt und damit ist ihm der Job eigentlich sicher. Doch um ihn geht es nicht in erster Linie. Er stehe Dhammachayo zu nahe, den der verstorbene Patriarch wegen Verbreitung von Irrlehren schon 1999 aus der Mönchszunft habe ausschließen wollen, sagt sein größter Kritiker, Mönch Issara. Er hat 300 000 Unterschriften gegen die Ernennung des Alten gesammelt. Seit Monaten zieht sich die Ernennung nun hin.

Dhammachayo betreibt einem opulenten dreieinhalb Quadratkilometer großen Tempelkomplex in Bangkok und hält dort an Feiertagen extravagante Massenzeremonien mit bis zu 200 000 Teilnehmern ab. Der Dhammakaya-Tempel hat Dutzende Ableger im Land und weltweit, und nach Angaben der Mitglieder Millionen Anhänger.

Das Hauptgebäude des Tempels sieht aus wie eine fliegende Untertasse. «Im Dhammakaya-Tempel sind sie sehr materialistisch», kritisiert Phra Thanomsingsukotalo, ein prominenter Mönch aus Chiang Mai, der einst im Buddhistischen Weltforum saß. Je höher die Spenden, desto größer der materielle Reichtum schon im irdischen Leben, werde Anhängern versprochen. «Viele Mönche sind skeptisch, weil diese Leute drastisch von der buddhistischen Lehre abweichen», sagt er.

So erklärte Dhammachayo 2012 Anhängern verschiedene Himmelsebenen.  Buddhisten glauben eigentlich nicht an Himmel und Hölle, sondern die Wiedergeburt bis zum Nirwana. Steve Jobs, sagte Dhammachayo damals, habe im Leben so viele Menschen beglückt, dass er in einem Glaspalast auf der zweithöchsten Himmelsstufe weile. Ein Video seiner Vorlesung, komplett mit Jobs als eine Art Comic-Figur in devoter Bet-Haltung vor Dhammachayo, ist im Internet zu sehen.

«Wenn die Menschen unsere guten Lehren hören, wenn sie dann spenden, dann wird ihr Leben besser», sagt Dhammachayos Stellvertreter, Abt Phra Mahasomchai Thanawutho im Fernsehkanal des Tempels. «Vergleicht man zwei Menschen, die im Herzen gleich gut sind, sammelt natürlich derjenige mehr Meriten für das nächste Leben, der mehr spendet.»

Die deutschen Dhammakaya-Tempel propagieren vor allem Meditation. «Nicht selten zieht diese innere Haltung einen größeren beruflichen und persönlichen Erfolg nach sich», heißt es da beispielsweise. Die Teilnahme sei kostenlos, «Spenden sind willkommen!»

Ex-Mönch Sakapan Eamegdool, ein Kommentator zu Buddhismus-Fragen, bezeichnet die Lehre von Dhammachayo als «ziemlich kommerziell». «Es wäre besser, wenn er als Mönch abtreten würde», sagt er. Die ganze Diskussion schädige den Ruf des Buddhismus in Thailand nur.

Mönch Issara drängt die Regierung, die Ernennung des alten Mönchs zu stoppen. Formal muss der Regierungschef den Kandidaten, den der oberste Führungszirkel der buddhistischen Hierarchie vorschlägt, dem König zum Absegnen vorlegen. Regierungschef Prayuth Chan-ocha wird von vielen Seiten bedrängt. Er wolle dem Monarchen erst Namen vorschlagen, wenn alle Kontroversen beseitigt seien, sagt er.

Der Dhammakaya-Tempel schweigt. «Wir werden uns zur Ernennung des Obersten Patriarchen nicht äußern«, sagte der für PR zuständige Mönch Luang Phee Sanitwongse der Deutschen Presse-Agentur.