Muezzin im Irak getötet: Explosionen in sunnitischen Moscheen

minaret-64786_640Immer wieder kommt es im Irak zu Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten. Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien ist die Lage in dem Krisenland besonders angespannt.

Unbekannte haben im Irak einen Muezzin getötet und Bomben in zwei sunnitischen Moscheen gezündet. Die Täter erschossen den Gebetsrufer etwa 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Bagdad in der Provinz Babylon, wie die Polizei der Region am Montag mitteilte. Zudem hätten Explosionen in der Provinzhauptstadt Hilla zwei sunnitische Moscheen erschüttert. Bilder im Internet zeigten die zerstörte Kuppel eines der Gebetshäuser.

Zunächst bekannte sich niemand zu den Taten. Auch die Motive der Attentäter waren zunächst unklar. Die Nachrichtenseite Shafaaq News meldete, die Angreifer hätten Militäruniformen getragen. Schiitische Milizen waren in der Vergangenheit häufiger für Übergriffe auf Sunniten verantwortlich. Immer wieder kommt es im Irak zu Gewalt zwischen den beiden größten Konfessionen. Die Schiiten stellen die Mehrheit im Land und dominieren auch die Regierung.

Nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien hatten Schiiten in Teilen des Iraks am Sonntag gegen die Exekution protestiert. Schiitische Milizen riefen am Montag zu weiteren Protesten auf, wie irakische Medien berichteten.

Der Irak wird regelmäßig von Terroranschlägen erschüttert. Meistens bekennt sich die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu den Attentaten. Die Extremisten kontrollieren im Norden und Westen des Iraks sowie im Nachbarland Syriens große Gebiete. Sie wollen den Irak mit Terroranschlägen weiter destabilisieren. Die Anschläge richten sich jedoch vor allem gegen Schiiten und ihre Einrichtungen.

Ministerpräsident Haidar al-Abadi erklärte, die Angriffe hätten das Ziel, die internen Konflikte anzuheizen und die Einheit des Iraks zu zerstören. Er habe den Verantwortlichen in der Provinz Babylon die Anweisung erteilt, gegen die «Verbrecherbanden von Daesh» und ihresgleichen vorzugehen, die die Moscheen angegriffen hätten, teilte Al-Abadi mit. Daesh ist die arabische Abkürzung für den IS.