Neues Logo: Thyssenkrupp zieht Schlussstrich unter die Krise

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Von Uta Knapp, dpa, und Erik Nebel, dpa-AFX

Thyssenkrupp auf dem Weg zurück in die Normalität: Mit einem neuen Logo zieht der Konzern einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre, in der das Unternehmen in eine tiefe Krise geraten war. Für die Mitarbeiter gibt es erst einmal eine Kaffeetasse.

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Leuchtendes «Electric Blue» statt stählernem «Preußisch-Blau», filigrane Bögen statt massiver Balken. Mit einem überarbeiteten Logo und einer neuen Farbe will der Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp nun auch optisch Abschied von seiner jüngsten Vergangenheit nehmen. «Wir sind an einem Wendepunkt», stellt der seit knapp fünf Jahren amtierende Chef Heinrich Hiesinger fest. Doch der Umbau des Unternehmens ist noch lange nicht vorbei.

Anstelle 180 verschiedener Marken soll künftig ein einheitlicher Auftritt das äußere Bild des Ruhrkonzerns bei Kunden und Mitarbeitern prägen. Und nun sind gut 17 Jahre nach der Fusion von Thyssen und Krupp deren alte Symbole erstmals richtig miteinander verschmolzen.

Es soll der Schlussstrich unter die existenzbedrohende Krise sein, aus der Hiesinger das Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren holte. Milliardenschwere Fehlinvestitionen seiner Vorgänger in neue Stahlwerke in Übersee hatten Thyssenkrupp in eine schwierige Lage gebracht. Doch die gigantischen Verluste scheinen inzwischen verdaut, der Konzern schreibt wieder solide Gewinne.

Das ging nicht ohne einen harten Umbau. So halbierte Hiesinger den Anteil des Stahls am Umsatz von 60 auf rund 30 Prozent, er trennte sich von zahlreichen Geschäften, sparte Milliarden und – vielleicht die heikelste Aufgabe – verordnete eine gänzlich neue Kultur.

Leistungs- statt Hierarchiedenken gepaart mit einer offenen Kritikkultur stellt Hiesinger in den Mittelpunkt. Damit sollen auch Skandale wie die zahlreichen Kartell- und Korruptionsaffären bald Vergangenheit sein. «Wir haben Thyssenkrupp stabilisiert und uns gleichzeitig für die Zukunft gerüstet», sagt der Vorstandschef.

Aber in die Aufbruchstimmung mischen sich schon neue Schwierigkeiten. Die schwächelnde chinesische Wirtschaft, die VW-Krise und der neuerliche Verfall der Stahlpreise sorgen für reichlich Gegenwind. Auch das Stahlwerk in Brasilien bleibt ein Problemfall.

Hinter den Kulissen rumort es. Die Investmentgesellschaft Cevian als neuer Großaktionär soll Medienberichten zufolge den Druck erhöhen. Die Schweden, die sich gern aktiv in die Geschäftsausrichtung bei ihren Beteiligungen einmischen und inzwischen auch einen Vertreter im Aufsichtsrat von Thyssenkrupp haben, sehen das Potenzial des Konzerns als nicht ausgeschöpft an. Sie sollen nun die Einheit von Thyssenkrupp infrage stellen und eine Abspaltung des Stahlgeschäfts fordern. Offiziell äußerte sich Cevian dazu nicht.

Die Forderung nach einer Aufspaltung ist nicht neu. Analysten rechnen immer wieder vor, dass die Einzelteile von Thyssenkrupp allein mehr wert seien als zusammen. Hiesinger sieht das anders: Er treibt die Zusammenarbeit der einzelnen Sparten vom Stahl über den Anlagenbau und das Autozuliefergeschäft bis zu den Aufzügen weiter voran.

Der Umbau sei beileibe noch nicht abgeschlossen. «Wir werden noch nicht überall als der leistungsfähige Industriekonzern wahrgenommen, der wir sind und künftig noch mehr sein wollen», meint der ehemalige Siemens-Manager.

Auf seinem Kurs sieht sich Hiesinger vom Aufsichtsrat unterstützt. Die jüngste Sitzung sei jedenfalls «ruhig und positiv» verlaufen, erklärt der Manager. «Das wird noch einmal spannend», kommentiert Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) den Druck hinter den Kulissen. Es sei verständlich, dass der Konzernchef jetzt nach den Umbauarbeiten auf ein nach außen sichtbares Zeichen setze: «Vom Zeitpunkt und vom Signal her passt das gut.»

Wichtig sei auch, dass derartige Entscheidungen vom Unternehmen erklärt würden, meint die Markenexpertin Sybille Kircher von der Düsseldorfer Agentur Nomen. «Sonst entsteht der Eindruck, dass man keine anderen Sorgen hat.» Ein weniger radikaler Wechsel eines Unternehmenslogos bleibe in der Öffentlichkeit oft unbemerkt.

Beim neuen Markenauftritt will der Konzern aber sparsam bleiben. Um die Kosten in der Größenordnung eines einstelligen Millionenbetrags möglichst niedrig zu halten, soll das alte Logo nur schrittweise ersetzt werden. Eine millionenteure Werbekampagne gibt es nicht.