Papst in Afrika: Jubelnde Gläubige, aber auch Armut und Bürgerkrieg

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Von Jürgen Bätz, dpa

Hunderttausende haben dem Papst in Afrika zugejubelt. Aber Franziskus sah auch Armut und Leid. Den Besuch im Krisenstaat Zentralafrikanische Republik ließ er sich trotz Sicherheitsbedenken nicht ausreden.

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Papst Franziskus strahlt in einem Slum in Kenia. In Uganda segnet er eine junge HIV-positive Frau und lobt ihre Tapferkeit. In der Zentralafrikanischen Republik besucht er Bürgerkriegsopfer in einem armseligen Flüchtlingslager, geduldig schüttelt er dutzende Hände und freut sich, die Kinder zu segnen. In diesen Momenten seiner sechstägigen Afrika-Reise schien der Papst völlig in seinem Element.

«Tatsächlich fühle ich mich wie zu Hause», sagt er den Slumbewohnern in Nairobis Armenviertel Kangemi. Der 78-Jährige folgte in Afrika seinem Ziel, die Ränder der Kirche zu suchen, die Vergessenen und Notleidenden aufzusuchen. «Der Weg Jesu begann in den Randgebieten, er geht aus von den Armen und geht mit den Armen zu allen.»

Die stärksten Momente der Reise waren jene Begegnungen mit Notleidenden, spontane Reden an Zehntausende Jugendliche in Kenia und Uganda sowie die leidenschaftliche Fürsprache für Umweltschutz und Bekämpfung des Klimawandels.

Wenige Tage vor Beginn des Weltklimagipfels in Paris warnte der Papst, es wäre «traurig, und ich wage zu sagen, katastrophal», wenn sich bei den Verhandlungen Einzelinteressen der Staaten gegenüber dem Gemeinwohl der Menschheit durchsetzen würden. «Der Klimawandel ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Folgen», sagte der 78-Jährige.

In Erinnerung bleiben wird sicher der Besuch in der Zentralafrikanischen Republik – die erste Reise Franziskus‘ in ein Krisengebiet. Trotz erheblicher Sicherheitsbedenken hat er an den Plänen festgehalten. Hunderte Blauhelmsoldaten mit Maschinengewehren sicherten seine Wege in der Hauptstadt Bangui ab, auch gepanzerte Fahrzeuge und Maschinengewehre auf Geländewagen gehörten zum Straßenbild.

Mit Nachdruck warb Franziskus dort für Toleranz, Versöhnung und Frieden: «Ich komme als Pilger des Friedens und als Apostel der Hoffnung», sagte er. Er forderte die Christen auf, zu vergeben und ihre Feinde zu lieben. Das nach UN-Angaben drittärmste Land der Welt wird seit 2013 von einem Konflikt erschüttert, bei dem sich muslimische Rebellen und christliche Milizen gegenüberstehen. Tausende wurden getötet, jeder fünfte Einwohner ist vor der Gewalt geflohen. Beiden Konfliktparteien werden schwerwiegende Gewalttaten vorgeworfen.

In seinem Bemühen um Versöhnung besuchte Franziskus am Montag auch eine Moschee in der muslimischen Enklave von Bangui. Christen und Muslime seien «Brüder» und müssten sich gemeinsam für den Frieden einsetzen, forderte Franziskus. Nach einem Gespräch bat er den Imam, ihn zum Mihrab zu führen, der nach Mekka gerichteten Gebetsnische. Beide verharrten davor für einen Moment der Stille.

Bodyguards kamen während der Reise nicht nur im Krisenstaat Zentralafrika ins Schwitzen. In Kampala rannten Hunderte Jugendliche über eine ungesicherte Rasenfläche zum Wagen des Papstes. Der Menge gelang es fast, die Kolonne zum Halten zu bringen, die Leibwächter hatten Mühe, den Weg freizuhalten. Als die Menge zum Wagen stürzte, lächelte Franziskus nur freundlich den Jugendlichen zu.

In Kenias Hauptstadt Nairobi ignorierte er seinen vorbereiteten Redetext und hielt eine leidenschaftliche Rede in seiner Muttersprache Spanisch. Korruption sei wie Zucker, süß aber schädlich, sagte er vor Zehntausenden Jugendlichen. Wer einmal damit anfange, könne nicht mehr davon loskommen. «Und nach so viel Zucker werden wir entweder Diabetiker, oder unser ganzes Land hat bald Diabetes.» Wer ein Bestechungsgeld akzeptiere, zerstöre sein Herz, seine Persönlichkeit und sein Land: «Bitte kommt nicht auf den Geschmack jenes Zuckers, der Korruption genannt wird.»

Immer wieder stellte das Oberhaupt der katholischen Kirche das christliche Glaubensversprechen in den Vordergrund. «Wenn ihr verzweifelt seid und wenn Euch die Welt auf den Kopf fällt, dann schaut das Kreuz an», sagte der Papst. Gott habe das tragische Ende seines eigenen Sohnes hingenommen, darin lägen Hoffnung und Neuanfang: «Weil die Geschichte nicht mit dem Scheiten endet. Dann kam die Wiederauferstehung, in der sich alles erneuert hat.»