Philosoph Schmid: Streit um Migration darf gerne scharf sein

(c) J. R. Schmid
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Der Philosoph Wilhelm Schmid («Gelassenheit») wünscht sich in der Politik mehr offenen Streit über kontroverse Positionen. Das Negieren von Gegensätzen, auch etwa in der Migrationspolitik, sei der falsche Weg, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Politisch haben wir Jahrzehnte hinter uns, in denen die Meinung vorherrschte, wir brauchten keine Gegensätze mehr. Alle sind für Menschlichkeit. Alle sind fürs Gute. Aber ich habe den Eindruck, darüber ist ziemlich vielen ziemlich langweilig geworden», erläuterte der Bestsellerautor. «Noch vor einem Jahr, bis zum verstärkten Auftreten der AfD, haben viele gegähnt, die jetzt nicht mehr gähnen. Jetzt sind sie aufgewacht.»

Polarität sei die Grundstruktur des Lebens, sagte der 63-Jährige. Viele Leute würden dennoch nicht verstehen, dass Gegensätze dazugehörten. «Erst wenn ich mich darauf einstelle, kann ich besser damit umgehen. Ich denke zum Beispiel, in der Migrationspolitik muss man die Debatte gar nicht immer entschärfen. Eher auch mal verschärfen», erläuterte er. «Dann treten die Unterschiede deutlich hervor. Erst suhlt man sich eine Weile in den Unterschieden. Dann entsteht das Bedürfnis, zu gucken, wo wir zusammenkommen und Lösungen finden.»