Schrecklich! Sattelzug zerquetscht Limousine

Kurz vor Weihnachten werden Rettungskräfte zur Bundesstraße 1 bei Berlin alarmiert. Viele von ihnen werden den schrecklichen Anblick, der sich ihnen dort bietet, nicht so schnell vergessen.

(c) dpa
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Rettungssanitäter und Feuerwehrleute bekommen oft Schlimmes zu sehen und sind nicht selten hart im Nehmen. Aber es gibt Tage, an denen auch gestandene Helfer am Unglücksort mit ihrer Berufsentscheidung hadern. Der Dienstag war ein solcher Tag. Im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland begräbt am Abend ein umstürzender Sattelzug eine Limousine unter sich. Vier Insassen sterben, sie sind wohl auf dem Weg zu Weihnachtsbesuchen gewesen, wie im Polizeipräsidium Potsdam erzählt wird. Ein fünfter Insasse überlebt die Katastrophe, wenn auch schwer verletzt. Wer die Überreste des völlig zertrümmerten Fahrzeugs gesehen hat, muss angesichts dieser Rettung an ein wirkliches Wunder so kurz vor Heiligabend glauben.

Scheinwerfer tauchen den Unfallort noch am frühen Morgen in ein kaltes, gleißendes Licht. Es ist Stille eingekehrt. Die Einsatzkräfte sprechen kaum noch miteinander. Ein Seilwinde schnurrt, an einem Stahlseil wird das Wrack langsam auf einen Transporter gezogen. Es hat kein Dach mehr, die Türen sind weg, der Motorraum ist plattgedrückt, das ganze Auto scheint um etliches kleiner geworden zu sein, als ob es schon einmal in der Schrottpresse gelegen hätte. Kaum vorstellbar, dass Feuerwehrleute aus diesen Blechtrümmern einen Menschen noch lebend bergen konnten.

Der Sattelzug liegt neben der Straße auf der Seite, wie ein böses Ungeheuer. Es ist ein viele Tonnen schwerer Fünfachser. Der containerartige Laderaum war voll beladen, wie ein Polizeibeamter erläutert. Die Unglücklichen in dem Pkw hatten keine Chance.

Unfallort ist die B1 beim kleinen Ort Heidekrug, in diesem Abschnitt ist die Straße eine Allee mit grasbewachsenem, schmalem und weichem Seitenstreifen. Der Sattelzug kam aus Richtung Berlin und war nach Polen unterwegs. «Der Fahrer ist nach rechts von der Fahrbahn abgekommen», berichtet Andreas Wobschall von der Polizeiinspektion Märkisch-Oderland. Wobschall ist der Polizeiführer vor Ort.

Nach den Schilderungen der Beamten muss man sich den Unglücksverlauf wohl so vorstellen: Der Sattelzug-Fahrer versucht verzweifelt, sein riesiges Gefährt wieder auf den Fahrbahn zu bekommen. Das gelingt ihm auch. Aber er verreißt möglicherweise das Lenkrad. Seine Zugmaschine schießt über die Straße in die gegenüberliegende Böschung. Der tonnenschwere Auflieger schleudert und dreht sich wie eine Sichel über den Asphalt und stürzt auf die entgegenkommende Limousine. Im Internet sind immer wieder kleine Videos von ähnlichen, alptraumhaften Unfallsituationen zu sehen, nur enden sie in der Regel glimpflich. Aber diesmal gab es kein Entkommen.

Ein Kran hebt später den Sattelzug von der zerdrückten Limousine. Der Lkw-Fahrer hat Glück im Unglück. Der 43-Jährige kommt mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus. Zu den Personalien der Verunglückten im Pkw können die Behörden in der Nacht noch keine endgültigen Angaben machen. Fest steht zunächst nur, dass es sich bei dem Fahrer um einen 60-Jährigen handelte. Er ist tot.

Zu unfreiwilligen Zeugen der Bergungsarbeiten bei Heidekrug werden einige Lkw-Fahrer. Sechs Stunden sitze er schon in seiner Kabine und warte darauf, weiterfahren zu können, erzählt einer von ihnen. Die Lastwagen stauen sich vor der Unfallstelle, ein Ausweichmöglichkeit gibt es nicht. Anfangs ist der Ärger groß unter den Fahrern. Aber als klar wird, wieviele Menschen hier sterben mussten, kehrt Ruhe ein.