Thailand in schwarz – Land trauert um König Bhumibol

Bhumibol_Adulyadej_Tränen und Trauerrituale für Thailands geliebten König: Zehntausende weinen auf den Straßen, als Bhumibols Leichnam zum Königspalast gebracht wird. Der Thronfolger führt einsam die Trauerzeremonie an.

Ganz in schwarz gekleidet haben Millionen Thailänder am Freitag in tiefer Trauer um ihren toten König Bhumibol geweint. Zehntausende säumten auf Knien die Straße, als der Leichnam mit einer langen Wagenkolonne vom Krankenhaus in Bangkok zum Königspalast gebracht wurde. Die Menschenmenge schwieg und viele waren in Tränen aufgelöst.

Einige hatten sich in der Nacht Plätze entlang der Straße gesichert. Sie hielten am Morgen Porträts des Königs oder auch Geldscheine mit seinem Konterfei hoch. Der Monarch war nach 70 Jahren im Amt am Donnerstag nach langer Krankheit gestorben. Er wurde 88 Jahre alt und war der am längsten amtierende Monarch der Welt.

Thronfolger Maha Vajiralongkorn (64) führte im Großen Königspalast die ersten Trauerzeremonien an. Bhumibols Witwe Sirikit (84) ist nach einem Schlaganfall 2012 im Krankenhaus. Der Thronfolger saß in weißer Uniformjacke allein auf dem Ehrenplatz, eine schwarze Trauerbinde am linken Arm. Anders als sein Vater wurde er nicht unmittelbar zum König proklamiert. Er wolle zunächst trauern, wie Regierungschef Prayut Chan-o-cha überraschend mitgeteilt hatte. Regent ist nach der Verfassung der Vorsitzende des Thronrates, Prem Tinsulanonda (96).

Nach der königlichen Tradition wird der Leichnam einbalsamiert. Die buddhistischen Trauerrituale mit Gebeten und Gesängen von Dutzenden Mönchen dauern 100 Tage. Das Begräbnis könnte noch Monaten oder Jahre entfernt sein. Die Mutter des Königs war nach ihrem Tod 1995 in einer Thronhalle aufgebart, die Einäscherung fand erst acht Monate später statt. Die Militärregierung hat eine einjährige Staatstrauer angeordnet. Feste und Parties sind für die nächsten 30 Tage verboten.

Der König wurde in einem Land mit vielen politischen Turbulenzen als Symbol der Einheit tief verehrt. «Er war ein Engel auf Erden», meinte Student Patima Chayaphruk, der nach der Todesnachricht direkt zum Krankenhaus geeilt war. Woraporn Jukkhum reiste aus Lampang 600 Kilometer nördlich von Bangkok an. «Ich musste hier sein, es ist unsere letzte Chance, ihm Respekt zu erweisen», sagte sie.

Am Königspalast standen schon am frühen Morgen Tausende an, um an einer rituellen Waschung vor dem Bildnis des Königs teilzunehmen. Der Palast mit zahlreichen Tempel, Hallen und Statuen ist die wichtigste Touristenattraktion Bangkoks. Er wird für Zeremonien genutzt, ist aber nicht Wohnsitz der königlichen Familie. Der Palast bleibe bis 20. Oktober geschlossen, teilte die Tourismusbehörde mit.

Am Flughafen in Bangkok waren auf elektronischen Anzeigetafeln, die sonst Touristenattraktionen zeigen, große Konterfeis des Königs in schwarz-weiß eingeblendet. Vor vielen Geschäften und Büros stellten Mitarbeiter mit Blumen geschmückte Tische mit Porträts des Königs auf. In einem Supermarkt steckten sich Angestellte mit Sicherheitsnadeln schwarze Trauerschleifen an die Uniform.

Alle Fernsehsender zeigten stundenlang nur Erinnerungen an den König. Kleine Geschäfte und Garküchen stellten Bildschirme auf, damit die Menschen die Überführungsprozession des Leichnams ansehen konnten.