Trump verkleinert US-Naturschutzgebiete um mehr als 80 Prozent – Wegen Kohle

Trumps Entscheidung über zwei kohlereiche Gebiete in Utah ist die erste in 50 Jahren, bei der ein Präsident den Schutz zurückgenommen hat. Die Gebiete sind nun potenziell offen für Öl- und Gasbohrungen, Bergbau, Holzfällerei.

US-Präsident Donald Trump reduziert die Fläche zweier großer Naturschutzgebiete im Staat Utah. In Salt Lake City unterschrieb er eine entsprechende Deklaration zur Verkleinerung der Gebiete Bears Ears und Grand-Staircase Escalante. Eine erste Reaktion folgte nur wenige Stunden später: Die Organisation Earthjustice reichte im Namen mehrerer anderer Gruppen Klage ein. Sie wollen sicherstellen, dass das Gebiet Grand-Staircase Escalante vollständig geschützt bleibt.

Trumps Entscheidung ist die erste in 50 Jahren, bei der ein Präsident den Schutz entsprechender Landregionen zurückgenommen hat. Lokale Stämme und Umweltaktivisten waren vehement gegen den Schritt, die Republikaner in Utah dafür. Sie halten die Schutzmaßnahmen für zu weitreichend und als Hürde dabei, die Gebiete für den Bergbau zu erschließen.

Zuletzt hatte Trump mit einer umstrittenen Genehmigung zur Einfuhr von Elefanten-Trophäen für einen Aufschrei unter Naturschützern gesorgt. Wenig später ruderte er dann etwas zurück.

Bears Ears wird durch Trumps Erlass in zwei Gebiete aufgespalten, die zusammen nur noch 930 Quadratkilometer umfassen – eine Verkleinerung der bisherigen Fläche von 5400 Quadratkilometern um mehr als 80 Prozent. Staircase-Escalante wird in drei Teile mit insgesamt etwa 4000 Quadratkilometer aufgeteilt, die bisherige Fläche betrug 7600 Quadratkilometer.

Die beiden Naturschutzgebiete waren von den früheren Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama geschaffen worden, was Trump als ungebührlichen „Übergriff“ bezeichnete.

Gebiete reich an Kohle

Trump sagte in einer Rede vor dem staatlichen Parlament, vergangene US-Regierungen hätten den Sinn und Zweck eines Bundesgesetzes zum Schutz von öffentlichen Gebieten „ernsthaft missbraucht“. Seine Entscheidung bedeute, dass die Kontrolle über die Naturressourcen den „weit entfernten Bürokraten“ in Washington entrissen werde.

Durch das Dekret werden die Gebiete potenziell für Öl- und Gasbohrungen, Bergbau, Holzfällerei und andere wirtschaftliche Aktivitäten geöffnet. Beide Gebiete zählen zu insgesamt 27, deren Überprüfung Trump seinem Innenminister Ryan Zinke aufgetragen hatte.

Der republikanische Vorsitzende des Rohstoffausschusses im US-Repräsentantenhaus, Rob Bishop, sagte, es handele sich um einen ersten Schritt, um „identifizierte Antiquitäten“ zu schützen, ohne lokale Einwohner in diesen Gebieten zu entrechten, sagte er.

„Lass deine kleinen Hände von unserem öffentlichen Land!“

Umweltorganisationen und Demokraten werfen Trump dagegen vor, Industriegruppen im Geheimen helfen zu wollen, die ihren Wahlkampf mitfinanziert haben.

Earthjustice argumentierte, der Präsident missbrauche seine Macht bei der Entscheidung. Er gefährde ein „Dinosaurier-Shangri-La“, das voll mit Fossilien sei. Viele von ihnen liegen auf einem Plateau, unter dem eines der größten Kohlevorkommen des Landes zu finden ist. Dies könnte jetzt für den Bergbau geöffnet werden. Mit Blick auf das Naturschutzgebiet Bears Ears haben indigene Gruppen angekündigt, schon bald ebenfalls Klage gegen Trumps Verfügung einzureichen. Dort gibt es Tausende Indianer-Artefakte.

Die Spitzendemokraten im US-Kongress, darunter die Minderheitsführer Nancy Pelosi und Chuck Schumer, warfen Trump vor, die Erhaltung einiger der wichtigsten Schutzgebiete der USA zu untergraben.

Knapp 3000 Demonstranten versammelten sich in der Nähe des Parlaments in Salt Lake City, um gegen den Schritt zu protestieren. Sie riefen mit Blick auf Trump unter anderem „Sperrt ihn ein!“, auf Schildern stand geschrieben: „Lass deine kleinen Hände von unserem öffentlichen Land!“. Einige Gegendemonstranten kam ebenfalls zusammen, um Trump zu unterstützen. Manche davon führten an, dass sie mögliche Bohrungen und Bergbau bevorzugten, weil das Arbeitsplätze schaffen könnte.