TV-Kolumne „Wer wird Millonär?“: RTL inszeniert die perfekte Werbesendung

jauchLehrer wissen manchmal auch nichts. Und Verkäuferinnen sind schlauer als man denkt. Aber das Winnetou-Special ist vor allem eine Werbung für den RTL-Dreiteiler an Weihnachten.

Bei Pisa, dem Schulvergleichstest in diesem Jahr, musste Deutschland einen herben Rückschlag einstecken. Das Bildungssystem 2016 schwächelt. Ob es auch an den Lehrern liegt? Jetzt ist Fußball zwar kein Pflichtfach, aber dass Lehrerin Nadine den FC Bayern-Spieler Xabi AlonsoGehe zu Amazon für weitere Produkt-Informationen! nicht als Fußballer identifizieren kann, lässt einen doch ein wenig schaudern. Schlimmer ist nur, dass die Pädagogin beim Thema Bio nicht auf die Demeter-Bauern kommt, sondern das Aphrodite-Siegel als richtig erachtet. 16.000 Euro gibt es dennoch, fürs neue Haus, genauer das Garagentor.

Federn überm Hirn, der Kopf juckt

Es soll ein Winnetou-Special sein bei „Wer wird Millionär?“, doch weil Günther Jauch „der Kopf juckt“ vom Federschmuck, zieht der Moderator den Kopfputz nur zwischendurch auf. Überhaupt ist diese Sondersendung vor allem eines: eine perfekte Werbesendung für den Dreiteiler, der ab Sonntag bei RTL startet.

Der Ober-Indianer und sein Blutsbruder

Die Kandidaten müssen sich mit Kafka und Hesse beschäftigen, sich über Marzipankugeln unterhalten und die rumänische Währung kennen. Der Ober-Indianer und sein Blutsbruder tauchen in vielen Filmszenen auf, man will den Köder weitflächig auswerfen fürs TV-Event am ersten Weihnachtsfeiertag.

Sonderschullehrer mit Ticks

„Sie wirken so verhuscht auf mich“, sagt Günther JauchGehe zu Amazon für weitere Produkt-Informationen! recht unverblümt zum Anwärter auf Sonderschulpädagogik. Der kämpft schon mit der 50-Euro-Frage und der Antwort, ob Leberkäse in das Brötchen kommt. Der Kandidat sagt von sich: „Ich habe Ticks“. Echt, hätten wir kaum gemerkt. Mit der Frage nach der „Zwiebel auf dem Kopf“ fühlt sich der Mann ebenso wohl wie mit Schokosnacks auf der Couch. Wie personifizierte Sonderschule wirkt der Mann auf jeden Fall. Bekommt dennoch 16.000 Euro für schwindliges Gerate. „Wenn Sie Ihre Brille aufgesetzt hätten, hätte das auch nicht geholfen, oder?“, macht sich Günther Jauch über den Käppi-Träger lustig.

Mutti, der Schatz im Silbersee

Anita, die Einrichtungsberaterin im Möbelhaus, hat Ahnung vom „Schatz im Silbersee“. Ihren silbergrauen Schatz hat sie auch mitgebracht, die Mutter sitzt im Publikum. Anita darf man nicht unterschätzen, sie kennt sich mit Bettfedern ebenso gut aus wie mit Superautor John Irving. Ihre Winnetou-Erfahrung liegt dennoch eine Weile zurück. Mit ihrer Freundin hat sie im Klassenzimmer, der Unterricht war recht langweilig, den Spitzer zerlegt, um sich zum Blutsschwestern-Akt mit der Metallscheibe die Haut zu ritzen. „Heutzutage würde man dafür therapeutische Hilfe bekommen“, meint Jauch süffisant. Die Frau nimmt dennoch 64.000 Euro mit – und kauft dafür unter anderem eine Küche in ihrem Möbelhaus. Verkäuferinnen sind jedenfalls schlauer als man denkt.

Schlau ist sicher, das Abenteuer-Spektakel von RTL bei Jauch breitestmöglich zu bewerben.  Dafür hat sich dieses Quiz-Special schon mal gelohnt.