Wind-Riesen mit Flügeln auf hoher See

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Von Silke Fokken, dpa

Sie stehen mitten in der Nordsee: Riesige Windräder stellen fernab vom Festland Strom her. Es sind gigantische Anlagen. Sie sorgen aber auch für Streit. Naturschützer sehen Gefahren für Tiere.

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Zuerst ist weit und breit nichts zu entdecken. Vom Schiff aus sieht man bis in weite Ferne nur Wellen. Aber dann ragen plötzlich riesige Windräder aus dem Wasser, ungefähr 100 Kilometer von dem Ort Cuxhaven an der norddeutschen Küste entfernt.

Zuerst sind die Windräder nur klein und verschwommen zu erkennen. Dann fährt das Schiff näher heran, und ihre Größe wird sichtbar.

«Die Windräder sind insgesamt rund 150 Meter hoch», erklärt der Experte Knut Schulze. Zum Vergleich: Das ist etwa so hoch wie der Kölner Dom.

Knut Schulze unternimmt mit Fachleuten den Schiffsausflug zu den Windrädern. Er arbeitet für ein Unternehmen, das 80 Windräder in der Nähe der Insel Helgoland betreibt. Sie stehen auf einer Fläche, die größer ist als sechs Fußballfelder. Dahinter liegen noch zwei weitere Windparks von anderen Unternehmen.

Der Wind bläst hier mitten auf der Nordsee kräftig. Dadurch drehen sich die Flügel der Windräder sehr schnell. Fachleute nennen sie Rotorblätter. Was man von außen nicht sieht: «Diese Rotorblätter treiben einen Generator an. Das ist ein Gerät, das oben am Mast in einem großen Kasten steckt», erklärt der Experte. «Dieser Generator wiederum wandelt die Drehbewegung der Rotorblätter in Strom um.»

Man kann sich das ungefähr so vorstellen, als wenn jemand in die Pedale eines Fahrrads tritt. Damit dreht er den Dynamo. So entsteht Strom, der die Fahrradlampe zum Leuchten bringt.

Bei den Windrädern muss aber niemand seine Muskeln anstrengen. Der Wind erledigt die Arbeit. An diesem Tag bläst er hier auf dem Meer so kräftig, dass das Reden draußen an Deck schwierig wird. Der starke Wind ist für den Strom aber ideal. Denn je schneller sich die Rotorblätter drehen, desto mehr Strom kann entstehen.

Knut Schulze findet, dass ein Fleckchen in der Nordsee ein sehr guter Ort für die Stromproduktion ist. «Hier stören die Windräder am wenigsten», sagt Knut Schulze. «Und sie können den meisten Strom herstellen, denn hier ist mehr Wind als auf dem Festland.»

Trotzdem sehen einige Meeresschützer die vielen Windparks im Meer auch kritisch. Das gilt zum Beispiel für Kim Detloff vom Naturschutzbund Deutschland in Berlin. «Wenn die Windräder im Meeresboden verankert werden, macht das viel Lärm. Die Tiere unter Wasser werden dadurch sehr gestört, zum Beispiel Schweinswale», sagt er. «Viele Tiere flüchten vor dem Krach und kommen nicht unbedingt zurück. Sie verlieren ihren Lebensraum.» Außerdem könnten die Windräder für Vögel gefährlich werden, wenn sie dagegen fliegen.

Doch der Meeresschützer lehnt Windparks auf See nicht grundsätzlich ab. Er ist sich mit Knut Schulze einig: Um Strom zu produzieren, sind Windräder in der Nordsee deutlich besser als zum Beispiel Kohlekraftwerke. Diese pusten viele schmutzige Abgase in die Luft.

Aber der Naturschützer fordert: «Man muss sehr genau darauf achten, dass ein Windpark nur dort gebaut wird, wo er Meerestiere und Vögel möglichst wenig stört.»