Ziemlich dicke Freunde: Zu Besuch im größten Elefantendorf Thailands

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Von Siraphob Thanthong-Knight, dpa

Seit Jahrhunderten leben und arbeiten Elefanten und Menschen im Dorf Ban Ta Klang zusammen. Am Freitag wollen sie nun ihren eigenen Rekord brechen.

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In jedem anderen Land wäre Praethong ein ungewöhnliches Haustier. Mit einem Gewicht von vier Tonnen und Appetit auf 400 Kilo Futter pro Tag ist sie ja auch nicht pflegeleicht. Doch in ihrem Dorf in Thailand fällt die 20 Jahre alte Elefantendame nicht weiter auf.

Denn Praethong ist nur einer von rund 200 Dickhäutern in Ban Ta Klang, dem größten Elefantendorf Thailands – und wohl auch der Welt. In jedem dritten Haushalt zählt ein Rüsseltier hier zur Familie. Nun wollen sie am Freitag in der benachbarten Stadt Surin ihren eigenen Rekord brechen: für das größte Elefantenbuffet der Welt, mit mehr als 60 Tonnen Gurken, Bananen und Melonen – und knapp 300 hungrigen Elefanten. Wenn alles klappt, werden sie ihren alten Rekord von 2003 brechen.

Einst zogen Zehntausende Dickhäuter durch die Wälder des Landes. Heute sind es laut Schätzungen noch gut 2000. Die Holzwirtschaft nahm ihnen den Lebensraum. Als die Rodungen 1989 verboten wurden, verloren die Holzfäller und ihre Arbeitselefanten den Job. Für viele Menschen sind Elefanten nun die wichtigste Einnahmequelle – in einer Region, die zu den ärmsten des Landes gehört.

Praethongs Elefantenführer Chatree Salangam kennt seine Dickhäuterin seit ihrer Geburt. Ende der 1990er Jahre, als Praethong noch ein Elefantenkalb war, bettelten die beiden in der 800 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Chiang Mai um Geld für ihre Familie. Chatrees Tochter war gerade geboren. Dann wurde in ihrem Heimatdorf ein Elefantenzentrum eröffnet – und Chatree und Praethong kehrten zurück.

Wenn Touristen kommen, treten die Tiere nun auf wie im Zirkus, werfen Dartpfeile oder malen Bilder. Wer will, darf auch auf ihnen reiten. Doch Tierschützer kritisieren diese Art der Haltung. «Die Elefanten sind den ganzen Tag über angekettet. Das kann sie depressiv machen», kritisiert etwa Tina Blessers, eine belgische Tierpflegerin, die eine Woche im Dorf verbrachte. «Die Tiere sollten besser Dinge machen, die in ihrer Natur liegen – herumstromern zum Beispiel», sagt sie und zeigt auf einen Elefanten, der sich rhythmisch vor und zurück bewegt. Forscher vermuten, dass diese Tierhaltung psychische Schäden hervorrufen kann und sich etwa in monotonen Vor- und Rückwärtsbewegungen äußert.

Ortsvorsteher Pakit Pungpattana, der Gründer des Elefantenzentrums, weist die Kritik von sich. «Wir sind nicht wie andere Touristencamps», sagt Pakit, der selbst sieben Elefanten hält. «Wir tun das, weil wir Elefanten lieben.» Die Tiere würden in Gefangenschaft geboren und früh an die langen Ketten gewöhnt. «Wenn wir sie anketten, dann nicht, um sie zu quälen. Wir wollen sie nur davon abhalten, andere Leute zu verletzen.»

Für jeden Elefanten, der arbeitet, erhalten Leute wie Chatree ein monatliches Gehalt von knapp 11 000 Baht, also etwa 300 Euro – kein schlechter Lohn in Thailand. Chatree gibt Praethong ein Zeichen, seine 18-jährige Tochter mit dem Rüssel hochzuheben. Die Elefantendame schafft es mühelos.

«Man kann es sich natürlich einfach machen und sagen, die Lösung wäre es, gar keine Elefanten mehr aufzuziehen», sagt Chatree. «Aber es ist ein Teil unserer Identität. Wir sind alle damit aufgewachsen.»

Chatree lernte von seinen Eltern, wie man Elefanten aufzieht, und die lernten es von ihren Eltern. Nun bringt er selbst seiner Tochter bei, wie man die Geburt eines Elefantenbabys vorbereitet. Praethong ist schwanger, in knapp zwei Jahren wird sie kalben. «Ohne sie könnte ich wohl nicht leben» sagt Chatree und streichelt Praethong. «Ich liebe sie einfach.»